The Outcasts

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The Outcasts

Beitragvon Lunedd » 29. Nov 2010, 01:25

Autor(en): Lanetha

Rating: Bild

Pairing: keines

Spoiler: keinen

Disclaimer: die Charaktere und speziellen Begriffe, die in dieser Story verwendet werden, gehören alle NBC. Nur die Handlung ist meine ;)

Kurzer Inhalt: True erwacht nach einem Unfall nicht wieder. Ist Alonzo der Einzige, der helfen kann?
Anmerkung/Widmung: Diese Story ist J. Madison Wright gewidmet, der Darstellerin von True, die 2006 kurz vor ihrem 22. Geburstag verstorben ist.

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I

„Verdammt! Für wen hält er sich eigentlich?!“ Wütend kehrte Walman John Danziger den Rücken zu und stapfte durch den Neuschnee zur Habitatskuppel zurück. Drinnen angekommen, streifte er seine Mütze vom Kopf und schleuderte sie davon. Sie schoss über einen der Tische hinweg und riss mit lautem Geklapper eine Thermoskanne und mehrere Becher mit zu Boden.

An der gegenüberliegenden Seite fuhr die Ärztin hoch; ihre blauen Augen funkelten zornig, als sie Walman zuzischte: „Können Sie nicht etwas rücksichtsvoller und leiser sein?! True braucht ihren Schlaf!“ Bedeutsam rückte sie den Medohandschuh an ihrem linken Arm zurecht und blickte auf das kleine Mädchen, das vor ihr auf dem Boden schlief, dick in einen Daunenschlafsack eingepackt.

Selbst Walman, der Techniker war und sich besser mit Maschinen als Menschen auskannte, konnte aufgrund der Art und Weise, wie die kleine True Danziger ihren Kopf hin und her warf, sagen, dass es sie ordentlich erwischt hatte. Das lange, normalerweise zu einem Zopf geflochtene, dunkelbraune Haar klebte ihr schweißnass an Gesicht und Hals. Ihre Wangen waren tiefrot, die Augenbrauen zusammengezogen, als würde etwas ihren Fieberschlaf stören.

Walman blickte entschuldigend zu Julia Heller, die ihn immer noch unbeweglich anstarrte, und seufzte leise, als er sich auf einen Stuhl sinken ließ und von Bess Martin eine heiße Tasse Kaffe gereicht bekam. Es war ja nicht so, dass er absichtlich laut gewesen war. Aber wenn er etwas nicht ausstehen konnte, dann waren es Leute, die ihren Ärger auf sich selbst an anderen ausließen. Und genau das tat Trues Vater. Das Mädchen war zusammen mit Danziger und Magus, der einzigen überlebenden Frau aus Danzigers MechTeam, auf Nahrungssuche gewesen. Danziger hatte seiner Tochter schließlich nachgegeben, einen etwas kleineren, flachen Hang als Rodelbahn zu gebrauchen. Natürlich war True irgendwann einmal von der selbst gemachten Bahn abgekommen und unglücklicherweise auf den gefrorenen Bach gerutscht. Das Eis hatte unter ihr nachgegeben, und Danziger hatte fast fünf Minuten gebraucht, um die Zehnjährige aus dem eisigen Wasser zu fischen.

Das alles war vor drei Tagen geschehen, und Trues Fieber stieg immer noch, während sie sich in einer quälenden Fiebertrance hin und her warf. Danziger war noch wortkarger und gereizter geworden, als er – wie sie alle – sowieso schon war, und hatte sich bis über beide Ohren in Arbeiten vergraben. Im Augenblick war er dabei, die Sonnenkollektoren des DuneRail, des TransRovers und des ATVs noch ergiebiger zu justieren, damit sie auch das letzte bisschen Energie von den schwachen Strahlen der Wintersonne aufnehmen konnten. Walman hatte angeboten zu helfen, doch Danziger hatte ihn angebrüllt, sich zum Teufel zu scheren.

Walman beobachtete aus dem Augenwinkel, wie sich Alonzo Solace, seines Zeichens Pilot von Beruf und seit ihrer Bruchlandung auf G 889 arbeitslos, zu Julia hinabbeugte. Walman konnte nichts gegen seine Gefühle tun, aber manchmal fühlte er sich in der Nähe des Piloten unsicher, der dank vieler Kälteschlafperioden trotz seines Alters von 109, 110 Jahren den Körper eines 25jährigen besaß. Aber nicht das war es, das Alonzo so unheimlich erscheinen ließ – schließlich war er, Walman, eigentlich auch 22 Jahre älter als sein Erscheinungsbild – sondern seine merkwürdige Verbindung zu den Terrianern, den ursprünglichen Bewohnern von G 889.

„Wie geht’s True?“ Alonzo strich dem Mädchen eine Locke aus der Stirn und setzte sich neben Julia.
„Gar nicht gut“, seufzte sie. „Das Fieber will einfach nicht sinken. Ich weiß wirklich nicht, was ich noch tun kann. Sie spricht auf kein Medikament an.“

Alonzo lächelte Julia aufmunternd zu und legte einen Arm um ihre Schultern. „Du wirst es schon schaffen. Mein Bein hast du ja auch wieder hingekriegt.“

Er drückte die Ärztin kurz an sich und erhob sich dann, als Devon Adairs Stimme hinter ihnen ertönte: „Bitte, hört mir mal einen Augenblick zu! Danziger hat einen Vorschlag.“ Sie klatschte kurz in die Hände, um auch Morgan Martin zum Schweigen zu bringen. Danziger trat neben Devon und schüttelte die Haare aus dem Gesicht.

„Unsere Nahrungsvorräte halten nur noch für vielleicht eine Woche“, begann er, „Die Umgebung haben wir schon überprüft – nichts. Deshalb sind Devon und ich“, er warf der Frau neben sich einen schnellen Seitenblick zu, „zu dem Schluss gekommen, eine kleine Gruppe mit dem DuneRail auszuschicken, deren Aufgaben darin bestehen wird, nach Nahrung zu suchen und einen Pass zu finden, den auch der TransRover überqueren kann. Da im DuneRail nicht viel Platz ist und wir die zurückbleibende Gruppe nicht gefährden wollen, sollte der Erkundungstrupp sehr klein sein – maximal vier Personen. Ich selbst werde mitgehen, so dass wir nur noch drei Freiwillige brauchen.“ Zuerst rührte sich niemand; Danziger seufzte. „Ich weiß, der Gedanke ist nicht angenehm, bei diesem Wetter außerhalb der Kuppel zu übernachten – aber ich hatte gehofft, niemanden dazu zwingen zu müssen. Ach, kommt schon, Leute! Was bringt euch Wärme, wenn ihr nichts im Magen habt! Alonzo, ich habe daran gedacht, dich mitzunehmen...“

Alonzo löste sich von Julia, die ihn zurückhalten zu wollen schien, und trat zu Danziger. „Weshalb?“

„Du hast Verbindung zu den Terrianern – vielleicht können sie uns helfen.“

Der Pilot biss sich auf die Lippen und blickte zu Julia. Die Ärztin öffnete den Mund, schloss ihn dann aber wieder und schlug die Augen nieder. Alonzo wandte sich an Danziger: „In Ordnung. Ich bin dabei.“

Nun erhob sich Walman. „Ich komme ebenfalls mit.“ Danziger sah erleichtert aus. „Ich danke euch. Bess, was ist mit dir?“

Bess Martin blinzelte überrascht, als plötzlich alle ihre Aufmerksamkeit auf sie richteten. Doch bevor sie etwas sagen oder sonst wie reagieren konnte, zog Morgan seine Frau in eine beschützende Umarmung. „Auf gar keinen Fall lasse ich zu, dass Bess da draußen ihr Leben aufs Spiel setzt! Eher komme ich mit!“

Danziger schenkte dem ehemaligen Regierungsbeamten ein zuckersüßes Lächeln. „Abgemacht. Packt etwas warme Kleidung ein und vergesst die Schlafsäcke nicht. Magus, würdest du uns etwas Proviant für zwei, drei Tage richten? Und, ah, Julia... bitten stellen Sie uns ein Medoset zusammen – für den Notfall.“

Julia zögerte kurz, dann nickte sie und verschwand. Alonzo blickte ihr nach. „Sie ist nicht gerade begeistert von deiner Entscheidung, wie?!“, meinte Danziger, als er mit Alonzo zur Kammer ging, wo sie Kleidung und Decken aufbewahrten.

Alonzo seufzte. „Nein. Sie ist der Meinung, dass ich zu risikofreudig bin.“ Danziger lachte kurz auf. Alonzo blickte den Mechaniker von der Seite an, während er nach einer dicken Jacke suchte. „Wieso hast du dich eigentlich für diese Mission gemeldet? Willst du nicht lieber bei True bleiben?“

Danziger versteifte sich, und für einen Moment dachte Alonzo, der andere würde sich auf ihn stürzen. Dann senkte Danziger den Kopf. „Natürlich möchte ich bei ihr sein. Aber ich ertrage es nicht, sie so krank daliegen zu sehen. Das erinnert mich zu sehr an ihre Mutter.“

Alonzo legte Danziger kurz die Hand auf die Schulter. „True wird wieder gesund werden“, meinte er.

Danziger nickte, nicht sehr überzeugt. In diesem Augenblick stürmte Julia herein. „Danziger! Es ist besser, wenn Sie kommen! True...“ Er wartete nicht, bis Julia den Satz beendete, sondern stürzte an ihr vorbei zu seiner Tochter. Alonzo und Julia folgten ihm.

Danziger starrte auf das Mädchen, das reglos dalag. Ihr Gesicht war so blass...

„Was ist mit ihr?“ fragte er alarmiert und packte die Ärztin beim Arm. „Sie ist ins Koma gefallen.“

Der Mechaniker starrte die Frau an. „Aber Sie können sie doch daraus wieder aufwecken, nicht wahr?“

Julia streifte den Medohandschuh ab. „Ich könnte schon.“, gab sie zu, „Aber so etwas ist immer riskant, und vielleicht hilft ihr das Koma beim Gesundwerden.“

Danziger schüttelte den Kopf. „Vielleicht?! Das ist mir etwas zu vage.“ Die Ärztin kreuzte demonstrativ die Arme vor der Brust. „Ich werde sie ganz gewiss nicht aufwecken. Das könnte ihren Zustand verschlechtern.“

Danziger zögerte einen Augenblick, dann wandte er sich abrupt um und stapfte ins Freie. Alonzo zog Julia in eine Umarmung. „Bis bald.“ Sie schwieg und entzog sich ihm, kniete neben True nieder und tat, als sei sie beschäftigt. Alonzo zuckte die Achseln und folgte Danziger.

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Re: The Outcasts

Beitragvon Lunedd » 29. Nov 2010, 01:40

II

„Ich finde, wir sollten uns nach einem Lagerplatz umsehen“, meinte Morgan Martin pikiert, als er zum x-ten Mal von aufgeschleudertem Schnee getroffen wurde. Walman, der neben ihm saß, warf ihm einen seufzenden Blick zu. Als von den beiden anderen keine Reaktion kam, beugte Morgan sich vor und wiederholte lauter: „Ich sagte, wir sollten uns einen Lagerplatz suchen!“

Danziger schnaubte. „Es ist gerade kurz nach Mittag, und mindestens noch vier Stunden hell. Also haben wir noch 3 Stunden Zeit, um zu suchen.“

Morgan öffnete den Mund, um zu protestieren, aber etwas in Danzigers grauen Augen hielt ihn davon ab. Er lehnte sich zurück und zog unbewusst ein schmollendes Gesicht.

Walman grinste.

Danziger zeigte auf einen nahen Wald. „Vielleicht finden wir dort etwas. Alonzo, gib mir mal das KomGerät. „ Er streckte die Hand aus, doch als nichts geschah, wandte er den Kopf. „Solace, mach schon, oder bist du taub?! Solace? Was ist?“

Alonzo starrte mit seltsamem Blick zu dem Wald, ohne auf Danziger zu reagieren. Morgan lehnte sich wieder vor. „Was ist denn jetzt schon wieder?“ jammerte er.

Danziger brachte ihn mit einer kurzen Geste zum Schweigen. „Ruhe – Alonzo hat Kontakt zu den Terrianern. Vielleicht hat unsere Suche bald ein Ende“, flüsterte er.

Morgan zog einen Schmollmund, dann hievte er sich aus dem DuneRail. „Bis er fertig ist,“, erklärte er, „werde ich mir die Beine vertreten.“

Danziger beugte sich zu Alonzo hinüber und berührte ihn leicht an der Schulter. „Alonzo – was sagen die Terrianer?“

„Es ist seltsam.“ Alonzo sprach mit monotoner und leiser Stimme, so dass sich auch Walman vorbeugen musste, um ihn zu verstehen. „Sie reden alle auf einmal.“ Der Pilot drehte leicht den Kopf und schloss die Augen. „Nicht alle gemeinsam, bitte.“ Er öffnete die Augen wieder. „Der Wald“, murmelte er. Danziger kam noch näher. „Dort gibt es Nahrung, die für uns verträglich ist.“ Alonzo runzelte die Stirn. „Was?! – Die Anwesenheit der Terrianer ist hier sehr stark – so viele Stimmen – im Wald gibt es Nahrung – aber auch Gefahr.“ Der Pilot legte den Kopf zurück, als wolle er einem unsichtbaren Hieb ausweichen.

Danziger verstärkte seinen Griff auf Alonzos Schulter. „Gefahr?“ wiederholte er, „Was für eine Gefahr? Grendler? Wilde Tiere?“

Alonzo schüttelte den Kopf. Sein Gesicht verzerrte sich. „Nein. Ich – zwei Stämme – Ausgestoßene – was sagt ihr? Nicht so schnell – ich – wie?“ Sein Gesicht nahm einen erstaunten Ausdruck an. „True!“ Dann sackte er bewusstlos in sich zusammen.

Danziger rüttelte ihn. „Alonzo! Was ist mit True? Hast du sie gesehen? Solace!“ Danziger hielt einen Moment inne. „Walman, geh und hole Morgan zurück. Wir müssen in diesen Wald!“

Walman zögerte. „Aber Alonzo sprach von Gefahr...“

„Tu einfach, was ich dir gesagt habe!“ Walman hob abwehrend die Hände und lief zu Morgan. Als alle im Rail saßen, blaffte Danziger etwas und drückte das Gaspedal durch, so dass der Schnee davon stob.

Kurz darauf erreichten sie den Wald. Danziger bremste. „He! Alonzo, wach auf. Na los!“ Er rüttelte den Piloten kräftig an der Schulter.

Alonzo murmelte etwas und schlug die Augen auf.
„Wa-was?“ Er blinzelte Danziger fragend an.

„Wo müssen wir hin?“, wollte Danziger wissen, „Was sagen die Terrianer?“

Alonzo schloss die Augen und schien auf etwas zu lauschen. Abrupt hob er den Kopf. „Ich bekomme keinen Kontakt mehr mit ihnen. Sie sind wie – weggeblasen.“ Er sah Danziger alarmiert an. „Sie warnen uns. Im Wald – etwa einen Kilometer südöstlich von hier – gibt es so eine Art heiße Quelle, an deren Ufer Pflanzen mit essbaren Früchten wachsen. Aber – dort lauert auch irgendeine Gefahr, ich kann nicht sagen, was es ist.“ Alonzo starrte Danziger düster an. „Und ich habe True auf der Traumebene gesehen.“

Danziger horchte auf. „Bei dieser Quelle?“ Alonzo rieb sich die Schläfen. „Nein, ich weiß nicht, was für eine Gegend es war.“ Er schauderte zusammen, und Danziger konnte erkennen, wie sich die feinen Härchen im Gesicht des Piloten ausrichteten. „True wird durch etwas indirekt bedroht. Noch können die Terrianer sie beschützen, aber es wird immer schwieriger, das zu tun, sagen sie.“

„Versuche, herauszufinden, wo dieser Ort ist, Alonzo. Sag den Terrianern, dass es wichtig ist.“ Danziger startete den Motor und schaltete die Positionslichter ein. „Inzwischen fahren wir zu dieser Quelle. Die Gefahr wird schon nicht so schlimm sein.“

Alonzo nickte und schloss die Augen. Sein Kopf sackte gegen die Brust, während sein Geist auf die Traumebene hinüberwechselte. Danziger beobachtete ihn einen Moment, dann wendete er das Gefährt und steuerte es Richtung Südost.

Die dunklen Reihen der Bäume hatten sich bereits hinter ihnen geschlossen, als Alonzo plötzlich in seinem Sitz hochfuhr und aufschrie. Danziger stoppte den Rail so heftig, dass Morgan und Walman nach vorne gegen die Lehnen der Vordersitze geschleudert wurden. Alonzo schrie wieder und drückte die Hände gegen den Kopf. Danziger legte ihm besorgt eine Hand auf die Schulter. „Was hast du? Was ist los?“ fragte er.

Alonzo stöhnte. „Die Terrianer – ihre Schreie...“ presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Dann entspannte sich sein Gesicht wieder, und er ließ die Hände in den Schoß sinken. „Sie haben aufgehört.“ Er sah zu Danziger. „Etwas an unserer Anwesenheit bereitet ihnen Schmerzen, große Schmerzen.“ Er schüttelte den Kopf, als wolle er Benommenheit abwerfen.

Walman äugte misstrauisch in das dunkler werdende Dickicht des Waldes. „Sie sagten nicht, was es war?“

Alonzo schüttelte wieder den Kopf. „Seltsamerweise habe ich sie nicht verstanden.“

Morgan räusperte sich. „Soll das etwa heißen, dass sie eine andere Sprache sprechen? Dass es eine andere Terrianerart ist?“

Danziger zuckte die Schultern. „Wieso nicht? Gibt es bei uns Menschen schließlich auch.“ Er wandte sich an Alonzo. „Geht’s wieder? Dann können wir ja weiterfahren.“

Alonzo nickte, und Danziger lenkte den Rail um einen Baum herum.

Alonzo schrie wieder schmerzerfüllt auf und fiel Danziger in den Arm. Das Gefährt schlingerte hin und her, als Danziger darum kämpfte, die Kontrolle über es zurückzuerlangen. Er riss das Steuer herum, um einem weiteren Baum auszuweichen. Durch die heftige Bewegung verlor Alonzo das Gleichgewicht und stürzte aus dem Rail in den Schnee, wo er sich stöhnend die Hände gegen die Schläfen presste.

Danziger rammte den Rückwärtsgang hinein und hielt neben dem Piloten. Rasch sprangen er und Walman aus dem Rail und eilten zu Alonzo, während Morgan sitzen blieb und über eine Beule jammerte.

Danziger zog Alonzo in eine sitzende Position. „Alonzo! He, sieh mich an!“ Er zwang den Kopf des Piloten nach oben, so dass er ihn anblicken musste. „Versuche, die Terrianer auszuschließen. Sie können nicht gegen deinen Willen in deinen Geist eindringen!“ Zumindest hoffte er es.

Alonzo starrte ihn aus geweiteten Augen an. „Ich schaffs nicht“, stöhnte er, „Ich schaffs nicht!“ Dann sackte er zusammen, und Danziger fühlte, wie sich Alonzos Muskeln entspannten. „Es ist vorbei“, murmelte der Pilot. „Es hat aufgehört.“ Er blickte Danziger und Walman an. „Das Fahrzeug ist es.“, erklärte er und rappelte sich auf. „Es bereitete ihnen diese Schmerzen.“

Morgan im DuneRail schnaubte abfällig. „Das ist doch Unsinn! Und es wäre idiotisch, den Rail hier zurückzulassen. Die Grendler würden ihn mit Kusshand nehmen.“

„Die Grendler betreten diesen Wald niemals.“

Morgan lachte. „Und das weißt du so genau?!“

Alonzo sah Morgan mit jenem Blick an, der Walman schaudern ließ. „Ja, ich weiß es.“

Danziger trat zwischen die beiden. „Also, dann gehen wir zu Fuß weiter.“ Er griff nach seinem Rucksack und ging in die zunehmende Dunkelheit hinein. Morgan setzte sich demonstrativ in den Rail. Erst, als auch Alonzo und Walman ihre Rucksäcke schulterten und Danziger folgten, seufzte er theatralisch auf und griff ebenfalls nach seiner Tasche. „Hey! Wartet auf mich!“

***


Bald darauf erreichten sie jene heiße Quelle, von der die Terrianer erzählt hatten. Morgan, der als letzter die kleine Anhöhe erklomm, blieb wie erstarrt stehen, als er in die Senke hinuntersah. Vor ihm schien ein Paradies zu liegen.

Der längliche See dampfte, wo warmes Wasser auf die kalte Luft traf, und in einem Umkreis von vielleicht vier Metern war das Ufer frei von Schnee. Morgan fühlte, wie ihm das Wasser im Munde zusammenlief, als er die großen, reifen Früchte entdeckte, die zahlreich an den wenigen beblätterten Bäumen wuchsen.

Alonzo winkte ihm und den anderen beiden zu. „Es sind dieselben Mangofrüchte, die uns der Grendler damals gebracht hat!“

Als sie schließlich satt und zufrieden am warmen Feuer saßen, seufzte Morgan. „Wer hat die erste Wache?“ Ihm gefiel der Blick, den Walman, Alonzo und Danziger einander daraufhin zuwarfen, überhaupt nicht.

Danziger lächelte zuckersüß, ein Ausdruck, den Morgan hasste und fürchtete. „Immer der, der fragt, mein lieber Morgan“, meinte der Mechaniker süffisant.

Dann kroch er in seinen Schlafsack. „Weck mich in zwei Stunden.“ Morgan äffte Danziger nach und warf missmutig seinen letzten Bissen ins Feuer.

Alonzo träumte...

Vor ihm lag eine weite, schneebedeckte Ebene. Er machte einen Schritt vorwärts und stellte fest, dass er bis zu den Knien in dem weichen, blütenweißen Neuschnee versank. Hinter sich hörte er ein Geräusch, und als er sich umdrehte, erblickte er einen Terrianer am Horizont. Schwach, beinahe vage spürte er dessen Anwesenheit. Sie strahlte Frieden und Ruhe aus, drängte ihn jedoch auch, auf den Terrianer zuzugehen. Als er sich auf den Weg machte, spürte er, wie ihn seine Kraft schnell verließ. Er hatte noch nicht einmal ein Viertel des Weges zurückgelegt, als seine Beine ihn nicht mehr trugen und er schwer atmend in den Schnee sank. der Terrianer war besorgt, spürte er, doch nicht alleine um ihn. Dann ertönte eine vertraute Stimme: „Dad? Hört mich denn niemand? Ich bin hier! Dad!“ Ich habe Angst, bitte hilf mir.“ Er stemmte sich auf die Füße und drehte sich mehrmals um die eigene Achse, sah aber niemanden außer dem Terrianer, der still wie ein Denkmal am Horizont stand, seinen Stab locker in der einen Hand haltend. „Wo ist sie? Ich sehe True nicht.“ Seine Stimme klang leicht verzerrt, wie stets, wenn er sich auf der Traumebene befand. Der Terrianer legte den Kopf schief und hob dann die freie Hand. Er folgte der ausgestreckten Hand mit den Augen – ja, da, inmitten der schneebedeckten Ebene saß einsam und verloren eine kleine Gestalt. Er spürte, dass ihn der Terrianer warnte. Es war gefährlich, zu True zu gehen, doch als er den Terrianer fragte, hörte er nur das Äquivalent zu „Zwei Sonnen“. Er ließ den Blick zum Terrianer schweifen, dann zu True. Wieder vernahm er ihre schwächer werdende Stimme, und er traf seine Entscheidung. Er nickte dem Terrianer entschlossen zu, dann wandte er ihm den Rücken zu und räusperte sich. „True! True, kannst du mich hören?“ Die kleine Gestalt richtete sich auf. „Alonzo? Bist du das?“ Er hörte Schluchzen. „Oh, bitte, hol mich hier weg. Es ist schrecklich, alles ist dunkel und so kalt. Ich will zu meinem Dad!“ Der Rest ging im Schluchzen unter. Er begann, sich mit grimmigem Gesicht durch den hohen Schnee zu kämpfen. Wieder schien dieser seine Kraft aus ihm zu saugen, doch er hielt den Blick stur auf True geheftet. Erinnerungsbilder stiegen in ihm auf. Er saß im Raumkreuzer, die Bildschirme spielten verrückt, während er verzweifelt bemüht war, den Kreuzer aus dem Sturzflug herauszureißen. Commander McNeill erschien hinter ihm, rief etwas von Defekten und davon, in eine Rettungskapsel zu fliehen. Dann fand er sich im Gang bei den Kälteschlafkammern wieder und fasste Julia Heller bei den Armen, um sie mit sich zu ziehen, während sie hastig ein paar medizinische Geräte in eine Tasche stopfte. Er stand an der Luke des Rettungsmoduls und warf einen schnellen Blick auf die verängstigten Menschen im Innern. Danziger ließ den Bügel über sich und seine Tochter True zuschnappen. Danziger warf ihm einen Blick zu, und er rief: „Sind alle da? Sind wirklich alle da?!“ Er sah, dass alle Plätze besetzt waren, und packte deshalb fest den Griff neben der Luke. Er tastete den Absprengcode ein, dann wurde er durch das wild hin- und herschaukelnde Modul geschleudert. Sein Kopf prallte an etwas Hartem ab, und er hörte die Schreie der anderen wie von weitem. Jemand streckte die Hände nach ihm aus, versuchte, ihn festzuhalten, doch da drehte sich das Modul auf den Kopf, und er prallte mit voller Wucht gegen die Deckenlampe, die beim Absprengen ausgefallen war. Etwas in seinem rechten Schienbein gab mit lautem Knacken nach, als der Druck zu groß war. Er hörte, wie er aufschrie, dann gab es einen gewaltigen Aufprall...

Alonzo setzte sich keuchend auf. Er befand sich nicht im Rettungsmodul. Nicht mehr. Sein Bein war nicht mehr gebrochen. Er atmete erleichtert auf und erhob sich. Walman am Feuer schreckte hoch und gähnte ihn an. „Wieso bist du schon wach? Schlecht geträumt, hm?“

Alonzo brummte unbestimmt und zog schaudernd den Parka an. Trotz der heißen Quelle kam ihm die Luft eiskalt vor. „Leg‘ dich schlafen, Walman“, sagte er. „Ich übernehme den Rest der Wache.“

Walman protestierte schwach. „Aber es ist noch nicht einmal die Hälfte meiner Wache vorbei.“ Dann erhob er sich gehorsam und reichte Alonzo die Waffe.

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Re: The Outcasts

Beitragvon Lunedd » 29. Nov 2010, 01:41

III

Am nächsten Morgen sah Danziger nachdenklich auf die Bäume mit den überreifen Früchten. Er seufzte. „Schade, dass wir nicht alle auf einmal mitnehmen können.“ Der Mechaniker strich die blonden Locken aus der Stirn und nahm seinen prall gefüllten Rucksack in die eine Hand. Mit der anderen packte er einen der Fallschirme, die die Rettungsmodule heil auf G 889 gelandet hatten und ihnen nun als eine Art Überdachung dienten. Der Fallschirm war zu einer Art Sack zusammengeschnürt und ebenfalls voll von Früchten. Walman griff nach dem anderen Ende, während Alonzo und Morgan, bloß mit je einem Rucksack beladen, die Waffen bereithielten.

Sie hatten beinahe die Hälfte der Strecke zu DuneRail hinter sich gebracht, als Morgan so plötzlich stehenblieb, dass Walman auf ihn prallte. „Verdammt, Martin, was soll das?!“ knurrte er und griff nach dem zu Boden gefallenen Ende des Fallschirmes.

„Still! Hört ihr das denn nicht?!“ Morgan führte die Hand zum Mund und lauschte. Danziger schüttelte verärgert den Kopf.

„Wahrscheinlich das hiesige Äquivalent zu einem Eichhörnchen.“

Morgan widersprach heftig. „Nein. Kein Tier macht einen solchen Krach. Vielleicht doch ein Grendler?“

In diesem Augenblick pfiff ein Metallgeschoß dicht an Morgans Gesicht vorbei, so dass er allzu deutlich den Luftzug spürte, und bohrte sich in den Baum hinter ihm. Morgan kreischte auf, und Danziger brüllte: „Runter!“

Morgan hörte ein zweites Geschoß und ließ sich fallen. Walman stürzte halb auf den ehemaligen Regierungsbeamten. Danziger hob den Kopf; Schnee hatte sich in seinem Dreitagebart und den Augenbrauen verfangen, was ihm ein noch grimmigeres Aussehen verlieh, als er sowieso schon hatte. „Ist jemand getroffen worden? Alonzo? Walman? Morgan?“

Alonzo neben ihm schüttelte den Kopf. Morgan zog seine Hand hervor und riss entsetzt die Augen auf. Sie war rot von Blut. „Aah... Danziger! Alonzo! Mich hat’s erwischt! Ich sterbe...“ Er zeigte ihnen die Hand.

Walman neben ihm stöhnte und wälzte sich auf den Rücken. An seinem Bauch glänzte es rot. „Nein, Morgan“, keuchte er, „Ich bin getroffen – nicht du.“

Danziger warf Morgan einen vernichtenden Blick zu und zog Walmans Pullover und Parka von der Wunde. „Hm“, meinte er. „Die Kugel steckt noch. Kannst du aufstehen? Sonst müssen wir dich zum Rail zurücktragen.“

Walman biß die Zähne zusammen und nickte. Alonzo reichte Morgan seine Waffe und blickte misstrauisch in das Dickicht.

„Hat jemand den Schützen gesehen? Es kann alles gewesen sein – ein Grendler, der eine unserer Waffen erbeutet hat, ein Strafkolonist...“

Walman stöhnte, als Danziger sich einen Arm des anderen um die Schultern legte. „Der Grendler scheidet wohl aus. Der Kerl wußte genau, wohin er schießen mußte.“

Schließlich erreichten sie den Rail, und Walman setzte sich erleichtert. Danziger half Morgan, den Fallschirm mit dem kostbaren Inhalt gut zu verstauen, als Alonzo plötzlich innehielt. Dann seufzte er. „Ich habe mein KomGerät bei der Quelle liegengelassen. Ich gehe und hole es.“

Danziger sprang vom Rail und griff sich den inzwischen von Früchten geleerten Rücksack und eine der Waffen. „Du gehst nicht alleine, solange da drinnen ein Schießwütiger herumläuft. Ich komme mit. Morgan“, Danziger warf einen Blick auf Walman, dessen Gesicht alle Farbe verloren hatte. „Morgan, du fährst mit dem Rail zurück zum Camp und bringst Walman zu Julia. Dann kommst du zurück und greifst uns auf dem Weg auf.“

Morgan nickte; mit einem Schlag schien alle Kindlichkeit aus seinem Gesicht verschwunden zu sein. Er startete den Motor, wendete und gleich darauf waren er und Walman aus Danzigers Blickfeld verschwunden.

Danziger schulterte seine Waffe und ging los. Nach ein paar Schritten blieb er stehen und sah ungeduldig zu Alonzo zurück. „Los, Solace, komm schon. Ich habe keine Lust, länger als irgend nötig in diesem Wald zu bleiben.“

Alonzo zögerte und gab sich dann einen Ruck. „Wir müssen da lang“, sagte er und wies nach links. Danziger runzelte verwirrt die Stirn. „Nein, der See liegt in dieser Richtung.“ Alonzo faßte in eine Parkatasche und zog sein KomGerät hervor. „Es war nur ein Vorwand. Ich... hatte gestern Nacht wieder einen Traum.“ Er sah zur Seite und biß sich auf die Lippen. Als er den Kopf wieder hob, starrte Danziger ihn unverwandt an. „Und?!“

„In dem Traum sah ich... True.“ Danziger sog scharf den Atem ein. „Sie rief um Hilfe, aber ich konnte nicht zu ihr gelangen.“ Alonzos dunkle Augen waren leer, als er fortfuhr. „Ich weiß, wo sie ist. Ein Terrianer ist bereit, mich dorthin zu führen – und dich, Danziger, denn euer Band ist so stark. Allerdings müssen wir sehr tief in den Wald vordringen.“

Danziger machte einen Schritt in Alonzos Richtung. „Also, gehen wir.“

Alonzo ergriff den Mechaniker am Arm. „Es gibt ein Problem“, sagt er. „Der Terrianer erklärte, dass der Wald das Gebiet von abtrünnigen Terrianern ist. Sie haben sich mit Unseresgleichen zusammengetan.“

Danziger erstarrte. „Du meinst – Strafkolonisten?“ Alonzo nickte.

„Ja. Und sie haben auf uns geschossen.“

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Re: The Outcasts

Beitragvon Lunedd » 29. Nov 2010, 01:42

IV

„Hey! Leute! Ich brauche Hilfe!“ Morgan stoppte den DuneRail mit einem Ruck und warf einen besorgten Blick auf Walman, der vor ein paar Minuten das Bewusstsein verloren hatte. Die anderen versammelten sich um Morgan, während er, Baines und Yale Walman aus dem Rail hievten und ihn in Julias Zelt auf eine Liege trugen. Julia zog den Medohandschuh an und begann, die Kugel herauszuholen. Morgan spürte, wie sein Herz bei dem vielen Blut raste. Hastig erzählte er, was vorgefallen war.

„Ich habe sie!“ rief Julia schließlich und hob etwas Blutverschmiertes in die Höhe. Rasch schloss sie die Wunde und wandte sich dann an Morgan. „Ich packe noch schnell ein paar Dinge zusammen, dann können wir fahren.“

Morgan hob die Hand. „Und wie geht es Walman? Wirklich, Julia, ich finde, Sie sollten bei ihm bleiben. Und bei True.“ Sie schüttelte abwesend den Kopf, während sie fieberhaft ihre spärlichen Medikamentenvorräte durchsah. „Ich komme mit, Morgan. Wenn er auch Danziger erwischt... oder Alonzo... Nein. Ich muss mit.“ Sie schauderte unwillkürlich bei der Vorstellung zusammen, zu spät zu kommen. Devon Adair reichte Julia eine Tasche. „Baines und ich sind ebenfalls dabei. Dieser Schießwütige wird es sich zweimal überlegen, sechs Leute anzugreifen.“

„Vier haben ihn auch nicht aufgehalten.“ murrte Morgan, aber bloß so leise, dass niemand ihn hören konnte.

***


Alonzo musterte den Rücken des Terrianers, der vor ihnen ging und sagte leise zu Danziger: „Er geht ein sehr großes Risiko ein. Da sie mich nicht mehr über die Traumebene erreichen können, hat er sich bereit erklärt, uns zu führen. Wenn die Abtrünnigen ihn erwischen, hat er kein schönes Ende vor sich.“

Danziger presste die Lippen zusammen. „Sage ihm bei Gelegenheit, dass ich das wirklich zu schätzen weiß.“ Alonzo nickte, und schweigend gingen sie weiter. Schließlich blieb der Terrianer innerhalb eines Ringes hoher, alter Bäume stehen.

„Ist es hier?“ Danziger sah sich um. „True? True, wo bist du? Ich bin es, Dad! True?!“

Alonzo packte Danziger am Arm. „Danziger, sie ist nicht körperlich hier. Dieser Ort ist eine Art... Tür von einer Traumebene zur nächsten.“ Der Terrianer schien die Worte des Piloten zu bestätigen, ehe er sich anmutig auf den Rückweg machte.

„Hey! He, wo will er hin?“ Danziger streckte die Hand nach dem Wesen aus, doch Alonzo hielt ihn zurück.

„Er kann nicht hierbleiben. Aber er wird an den Waldrand gehen und dort auf uns warten.“

„Warten? Was sollen wir überhaupt tun? Und wie gelangen wir zu True?“

Alonzo blickte sich kurz suchend um und nahm dann auf einem Baumstumpf Platz, den Rücken gegen einen Stamm gelehnt. „Setz dich, entspanne und schließe die Augen. Ich werde alles tun, aber ich werde deine Kraft gebrauchen. Erschrick nicht, wenn du plötzlich Bilder aus der Vergangenheit siehst, sondern versuche, dich auf True zu konzentrieren.“ Danziger setzte sich. „Bist du bereit, John?“ Er nickte und schloss die Augen. Erst viel später fiel ihm auf, dass Alonzo ihn bei seinem Vornamen genannt hatte.

***


Morgan lief nervös am Waldrand auf und ab. „Ich verstehe das nicht!“, sagte er. „Hier, da sind noch ein paar Blutspuren im Schnee, aber sonst sieht es so unberührt aus.“

Julia kniete nieder und untersuchte das Blut. „Es ist von Walman.“ Sie sah hoch zu Devon, die nachdenklich die Stirn in Falten zog. „Morgan, kann es sein, dass die beiden einen anderen Ort ausgemacht haben?“

Er schnaubte entrüstet. „Wofür halten Sie mich? Die Koordinaten sind korrekt.“

Baines, der einige Meter entfernt schussbereit stand, zog Julias Aufmerksamkeit auf sich. „Vielleicht kann er uns helfen.“ meinte er, ohne sich umzudrehen oder den Finger vom Abzug zu nehmen und wies mit dem Kinn auf den Terrianer, der vor ihm am Waldrand erschienen war.

Julia erhob sich langsam und klopfte den Schnee von der Hose, während sie beobachtete, wie Devon die Hände ausstreckte und auf das merkwürdige Wesen zuging. „Weißt du, wo unsere Freunde sind?“ fragte sie und sprach betont laut und deutlich. Der Terrianer legte den Kopf auf die Seite. „Menschen – wie wir.“ fuhr Devon fort. Julia glaubte, etwas wie Verzweiflung aus dem Ton der Älteren herauszuhören.

Der Terrianer brummte etwas und deutete mit seinem Waffenstab in den Wald. Devon folgte seiner Bewegung mit der Hand. „Kannst du uns zu ihnen bringen?“ fragte sie atemlos. Das Wesen brummte wieder und setzte sich dann in Bewegung. Devon wechselte einen erleichterten Blick mit Julia, und sie liefen dem Terrianer nach, in den dunklen Wald hinein.

***


Danziger kniff die Augen zusammen, als er Alonzo – Alonzos Schatten – nachblickte. Am liebsten wäre er mit ihm gegangen, doch der Pilot hatte abgelehnt. Wenn Alonzo True nur rechtzeitig erreichte...

Alonzo fühlte, wie Danzigers Kraft in ihm flackerte. Sofort schien sich der Schnee der Ebene um seine Beine zu schließen.
„John!“, rief Alonzo stumm, „Denke nicht an Zweifel! Ich brauche deine Kraft, sonst schaffe ich es nicht.“ Der Terrianer erschien am Horizont, da, wo Alonzo hinstrebte. Alonzo spürte so etwas wie Erleichterung, das Wesen wiederzusehen.

Dann befand er sich plötzlich in einer Kälteschlafkammer. Sein Körper gehorchte ihm nicht, war steif vor Kälte, während sein Geist raste... Lebendig begraben... Er sah hinab auf seine Frau, die reglos im Krankenbett lag. Ihre wunderschönen Haare waren verschwunden, hatten dem Zweck Platz gemacht...

Alonzo brach in die Knie. Danzigers Erinnerungen stürmten auf ihn ein, drohten ihn zu überschwemmen.
„John!“ schrie Alonzo stumm, „Denke an True! Lass‘ dich nicht von Erinnerungen überwältigen. Bitte!“ Der Strom verebbte, und Alonzo konnte wieder aufstehen. Der Terrianer am Horizont schien ihn gleichzeitig zu locken und abzuwehren.
„Alonzo? Bitte komm wieder. Mir ist so kalt, und ich habe Angst. Bitte, Alonzo, Lass mich nicht allein!“

„TRUE!“ Alonzo spürte, wie fremde Kraft ihn durchzuckte und ein paar Schritte rennen ließ. Er hatte den Terrianer fast erreicht, er konnte True schon sehen!

Alonzo streckte die Arme seines Traumkörpers aus und griff nach True. Sie fühlte sich tröstlich fest und warm an. Alonzo drehte sich mit dem Mädchen im Arm um und begab sich auf den Rückweg.

Er versuchte es zumindest. Irgendetwas hielt seinen Traumkörper zurück, so dass er nicht von der Stelle kam. Alonzo fühlte, wie ihn Danzigers Kraft verließ. Schweratmend setzte er True ab.
„Ich schaffe es nicht, John. Es ist... wie eine unsichtbare Barriere.“ Er gab True probeweise einen sanften Schubs, und sie ging ein paar Schritte von ihm weg, nur um ihn dann fragend anzusehen. „Wie ich dachte“, keuchte Alonzo. Selbst das Denken an Danziger war eine Qual. „John, konzentriere deine Kraft auf True. Du musst sie zurückführen. Sobald True in Sicherheit ist, musst du mit dem Ältesten Kontakt aufnehmen. Er wird wissen, was zu tun ist, damit ich zurückkehren kann. Beeile dich!“

Alonzo hörte etwas hinter sich und drehte sich um. Einige Schritte entfernt standen drei Terrianer – die Alonzo noch nie gesehen hatte. Er war sicher, dass sie zu den Ausgestoßenen gehörten. Eine weitere Gestalt tauchte neben den fremden Terrianern auf. Alonzos Traumkörper erstarrte vor Schreck. Es war ein Mensch! „Danziger! Die fremden Terrianer sind aufgetaucht, und sie haben einen Strafgefangenen bei sich! John, ich...“

***


„Alonzo.“ Danziger streckte sich vorsichtig. Erleichtert dachte er an True, die nun wieder gesund werden würde, dank – „Alonzo?“ Danziger wandte den Kopf und sah auf den Piloten, der friedlich zu schlafen schien.

Er war zu blass. Danziger erhob sich mühsam und rüttelte Alonzo sachte an der Schulter. Irgendwann auf dem Rückweg war der... Kontakt zu Alonzo abgebrochen. Dann fielen Danziger Alonzos letzte Worte ein. „Die Strafgefangenen! Alonzo! He, Alonzo, wach auf, Mann!“ Danziger packte den anderen an den Schultern und schüttelte ihn kräftig. Alonzo reagierte nicht. „Oh nein...“ Am Rande einer Panik, fuhr sich Danziger durch die dicken Locken. „Vielleicht kommen ich auch alleine in die Traumebene“, sagte er laut und setzte sich rasch wieder hin. Danziger presste die Augen zusammen. „Konzentriere dich... konzentriere dich!“ Nach einem Moment öffnete er die Augen wieder. „So funktioniert das nicht!“ klagte er die Bäume um sich herum an. „Ich muss zum Ältesten.“ Danziger wusste nicht genau, woher dieser Gedanke kam, aber er schien die Lösung zu sein. Er warf einen Blick auf Alonzo, fragte sich, ob er den Piloten wirklich alleine und somit ohne Schutz zurücklassen sollte. Dann wandte er sich mit einem Ruck um.

Er war noch nicht weit gekommen – inzwischen hatte es wieder zu schneien begonnen, und so war es schwer für ihn, den Rückweg zu finden – als er plötzlich Geräusche zu seiner Linken hörte. „Verdammt!“ murmelte er und warf sich in den Schnee. Vielleicht waren es Strafkolonisten...

Mehrere Hände packten ihn und drehten ihn auf den Rücken. Danziger öffnete vorsichtig blinzelnd die Augen.

„Wo bist du verletzt, John?“ Danziger setzte sich ächzend auf. „Ihr seid es“, seufzte er erleichtert auf, als er erkannte, dass Devon und Julia ihn anstarrten.

„Ich bin nicht verletzt. Ich...“

„Wo ist Alonzo?“ Julias Gesicht glühte rot, als ihr bewusst wurde, dass Danziger das vielleicht gerade hatte sagen wollen.

Danziger packte Baines am Arm. „Du kommst mit mir. Devon, Alonzo sitzt irgendwo da hinten. Er ist auf der Traumebene gefangen und kann sie nicht verlassen. Ich werde zum Ältesten gehen und ihn um Rat fragen. Passt auf euch auf, das hier ist das Gebiet von ausgestoßenen Terrianern und Strafkolonisten. Vermutlich sind sie es, die Alonzo zurückhalten.“

„Aber...“ begann Devon, doch Danziger war bereits davon gestürmt. Kurz darauf konnten die beiden Frauen den Motor der DuneRail aufheulen hören. Devon hob bloß die Augenbrauen und schüttelte den Kopf.

„Devon! Hier ist Alonzo! Ich habe ihn gefunden! Devon?“ Julias Stimme kam aus dem Dickicht. Sie war losgegangen, nachdem Danziger in die Richtung gewiesen hatte, in der er den Piloten wusste. Erst jetzt fiel Julia auf, dass Devon nicht hinter ihr war.

„Devon? Wo sind Sie, Devon?!“ Julia erhob sich und sah sich suchend um. Von Devon Adair keine Spur.

Julia schauderte plötzlich und zog den Reißverschluss ihres dicken Parkas ganz zu. Sie setzte sich neben dem schlafenden Piloten nieder und lehnte sich gegen ihn. Hoffentlich beeilte sich Danziger! Devons Verschwinden konnte sich Julia nicht erklären. Sie hatte eine ganze Weile die Umgebung abgesucht und Devon nicht gefunden.

Um genau zu sein, hatte sie überhaupt keine Spur gefunden. Der zertrampelte Schnee, durch den sie, Devon und Baines gekommen waren, lag unberührt und weiß auf der Lichtung.

Julia wusste nicht, wie sie zurückfinden sollte.

Alonzo stöhnte leise auf. Julia beugte sich rasch über ihn. „Alonzo? Wach auf, bitte, wach doch auf...“

Er reagierte nicht. Prüfend betrachtete Julia ihn. Sein Gesicht unter dem dunklen Haar war noch immer viel zu blass, und als sie jetzt nach seinem Puls fühlte, konnte sie ihn kaum spüren.

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