[Aryt Samor Zyklus 1] A Job To Change A Life

Moderator: Supermoderator

[Aryt Samor Zyklus 1] A Job To Change A Life

Beitragvon Lunedd » 30. Nov 2010, 01:16

Autor(en): Lanetha

Rating: Bild

Pairing: ----

Spoiler: ----

Disclaimer: Nichts von Star Wars gehört mir außer Aryt und der Handlung! ;) Ich spiele nur ein wenig im Sandkasten des Universums!

Kurzer Inhalt: Es ist kurz nach der Zerstörung des ersten Todessternes, und die Rebellen haben sich auf Hoth zurückgezogen. Luke Skywalker ist damit beauftragt, die Staffel Rot neu zu bestücken und trifft dabei auf Widerstand: Aryt Samor.

----------------------------------------------------------------------


Hoth. Besprechungsraum


Die hochgewachsene, knabenhafte Frau schritt kochend vor Wut im Besprechungsraum auf und ab. Eine kurzgeschnittene, sandfarbene Strähne fiel ihr in die Stirn, und ärgerlich wischte sie sie beiseite. In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und Commander Luke Skywalker trat ein. Sofort glätteten sich die aufgewühlten, sehnigen Züge der Frau, und sie legte die Hände auf den Rücken. „Sie wollten mich sprechen, Sir“, sagte sie förmlich.

Luke sah sie nachdenklich an. Er wusste, dass sie wusste, dass er sie mit Absicht beinahe eine halbe Stunde hatte warten lassen. Innerlich runzelte er die Stirn. Er hatte sich darauf vorbereitet, von einer erregten Aryt Samor angegriffen zu werden, doch sie stand nur ruhig vor ihm. Scheinbar ruhig, verbesserte er sich in Gedanken. Dieser seltsame zusätzliche Sinn, von dem er bis vor einigen Jahren nichts geahnt hatte, drängte sich ihm wie so oft ungewollt auf und ließ ihn Dinge über sein Gegenüber erfahren, die dieses lieber unausgesprochen gelassen hätte. Er seufzte lautlos, drückte sich an Aryt vorbei und ließ sich auf einem Stuhl hinter dem großen, runden Tisch nieder. „Setzen Sie sich.“

Sie blieb stehen, immer noch in dieser steifen, unbeugsamen Haltung verharrend. Ihre violetten Augen bohrten sich in einen Flecken an der Eiswand hinter Luke. „Ich bevorzuge es zu stehen, Sir.“

Luke seufzte wieder. „Wie Sie meinen.“ Er überlegte. So, wie sie sich im Moment verhielt, würde alles, was er sagte, an ihr herab gleiten wie Regen am Cockpit eines X-Flüglers. Er musste etwas finden, das ihm Zugang zu ihr verschaffte. „Ihre Augenfarbe ist ungewöhnlich“, begann er etwas ungelenk.

Sie schwankte leicht, während sich ihre Augen keinen Millimeter von der Stelle bewegten. „Ja, Sir.“

„Wie kommt es dazu? Ich meine – haben Sie nichtmenschliches Blut in sich?“ Innerlich verwünschte Luke sich. Das klang, als hätte er Ressentiments gegenüber Nichthumanoiden.

„Nein, Sir. Würde das ein Problem für Sie darstellen?“ Ihre Stimme klang noch immer unbewegt, mit einer Spur Interesse darin.

Luke schüttelte rasch den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Aber sagen Sie – ist das in Ihrer Familie üblich? Ich dachte, Sie kämen von Corellia.“ Er blickte schnell auf den Datenblock, das vor ihm auf dem Tisch lag. Ja, diese Information war korrekt.

Sie nickte. „Ja, Sir. Und die Augenfarbe ist eine Eigenheit meiner Familie. Sie haben mich aber bestimmt nicht gerufen, um sich nach meiner Augenfarbe zu erkundigen.“

Aryts Worte lenkten Lukes Gedanken wieder in die Gegenwart. „Nein, natürlich nicht“, entgegnete er. „Es geht darum, wie Sie sich über Ihre Punkte bei den Tests für die Aufnahme in die neue Staffel geäußert haben. Und über meine Bewertung Ihrer ... Leistung.“

Eine Regung glitt über Aryts Gesicht, doch sie war so schnell vorbei, dass Luke fast sicher war, sich getäuscht zu haben. „Sir, ich habe lediglich gesagt, dass Ihre Punktzahl zu meiner Leistung falsch sein muss.“

Luke blickte sie amüsiert an. „Ach, und wie kommen Sie darauf?“

„Weil ich mit der Leistung, die ich gezeigt habe, niemals die volle Punktzahl erreichen kann. Vor allem nicht, wenn man sich die Bewertungen der anderen Kandidaten betrachtet.“

„Sie wollen also behaupten, ich würde falsch bewerten“, schmunzelte er.

Sie zögerte einen Moment. Dann: „Ja, Sir.“ Sie öffnete den Mund, um etwas hinzuzufügen, schloss ihn jedoch wieder, als sie es sich anders überlegte.

Luke half ihr nach. „Sie sollten mir eigentlich dankbar sein, dass ich Sie so gut bewerte.“

Aryt ließ die Hände nach unten sinken. Luke spannte sich unbewusst an. Die Hände hingen zwar locker und geöffnet an ihren Seiten, aber dennoch strahlte sie eine Drohung aus, die beinahe greifbar war. „Sir, wieso wollen Sie mich mit aller Gewalt unter den Kandidaten halten?“

Luke schürzte die Lippen. „Sie wollen doch nicht etwa andeuten, dass Sie bewusst schlechte Leistungen gezeigt haben, um nicht in Frage zu kommen?“

Sie ballte und öffnete die Hände jetzt mehrmals. Lukes Blick flog zwischen ihnen und Aryts Gesicht hin und her. Er spürte, wie ein Sturm in ihr tobte, und dennoch glitt keine Regung über ihr Gesicht. Er konnte nicht umhin, sie zu bewundern. Vielleicht verrät sie mir ja, wie sie das macht, rätselte er. Konzentriere dich, Luke, ermahnte er sich dann, Du bist nicht Zuhause und schraubst an irgendwelchen Droiden herum.

„Doch, Sir.“ Die Antwort kam ruhig und ohne jegliche Betonung.

Luke legte die Fingerspitzen aneinander. „In dem Fall werde ich Ihnen so lange die beste Punktzahl geben, bis Sie Ihre wahre Leistung zeigen.“

Nun zeigte sich doch etwas auf ihrem Gesicht. Verblüffung machte sich breit, ehe sie sie unterdrücken konnte. „Sir?“ Dann hatte sie sich wieder im Griff, und ihre Züge erschlafften in diese maskenartige Starre, die Luke inzwischen schon beinahe fürchtete. Es ist, als rede man gegen eine Wand an, dachte er.

„Das ist Erpressung, Sir.“

Luke nickte. „Ja, das ist richtig, Aryt. Hören Sie, ich sehe doch, dass es da etwas gibt, was Ihnen zu schaffen macht. Hat es mit der Vernichtung der Staffel Rot und den Ecliptic Evaders bei Derra IV zu tun?“

Sie versteifte sich noch weiter. Das ist es, dachte Luke triumphierend. Doch Aryts nächste Worte ließen seine Überzeugung, den Grund gefunden zu haben, schwinden.

„Nein, Sir. Nun – zumindest nicht direkt. Natürlich ist es ein schwerer Verlust für die Allianz, fast zwei volle Staffeln zu verlieren, aber keiner der Piloten stand mir besonders nahe.“

Schade, dachte Luke. „Sie wollen allen Ernstes behaupten, dass Sie keinen Kontakt zu Ihren Staffelkollegen hatten? Dass es Ihnen nichts ausmachte, als fast alle anderen um Sie herum getötet wurden?!“

Sie wägte ihre weiteren Worte sorgfältig ab. „Nein“, sagte sie dann nur.

Luke schüttelte ungläubig den Kopf. Da hatte diese Frau mehr als drei Jahre mit den Piloten der Ecliptic Evaders verbracht, war mit ihnen Einsätze geflogen und behauptete kalt, dass ihr deren Schicksal egal war!

„Nein, Sir“, sprach Aryt in seine Gedanken hinein, die sich auf seinem Gesicht abgezeichnet haben mussten; ihre Stimme konnte man beinahe als sanft bezeichnen. „Sie waren mir nicht egal. Aber ich wollte nicht zu Ihrer neuen Staffel.“

Luke runzelte die Stirn. Hat sie vielleicht etwas gegen mich? „Das geht aber aus Ihrem Bewerbungsschreiben hervor.“ Er hielt ihr den Datenblock hin. Sie studierte es rasch und reichte es ihm zurück, ohne es ganz gelesen zu haben.

„Dieser Brief stammt nicht von mir.“

„Von wem denn dann?“ Lukes Verwirrung wuchs, und er wünschte sich, sich niemals darauf eingelassen zu haben, das Kommando über andere zu übernehmen.

„Von Commander Tlosar.“ Ihr Gesicht wurde wieder emotionslos.

Luke überlegte schnell. „Dem neuen Kommandanten der Ecliptic Evaders – oder Derra Evaders, wie sie ja jetzt heißen?“

Sie nickte. „Ja, Sir.“

„Aber weshalb sollte er Sie versetzen lassen wollen ...“ Noch während er die Worte sprach, erkannte Luke, worauf Aryt hinaus hatte wollen. „Er wollte Sie loswerden. Ist das richtig?“

„Ja, Sir.“

„Aber weshalb? Haben Sie sich mit ihm nicht vertragen? Oder er nicht mit Ihnen?“

Sie legte die Hände wieder auf den Rücken. „Sir, es wäre mir lieb, wenn ich das nicht weiter erörtern muss.“

„Verstanden. Eigentlich dachte ich ja, dass Sie zu meiner neuen Staffel wollten, weil ich die besten Piloten suche. Und ich hätte Sie bestimmt nicht als Kandidatin akzeptiert, wenn ich Ihnen keine gute Chance darauf gegeben hätte. Und, um ehrlich zu sein“, er setzte ein jungenhaftes Grinsen auf, das jedoch seine Wirkung auf Aryt verfehlte; sie zeigte weiterhin keine Regung. „Ich dachte, dass die Evaders-Staffel nicht wieder neu aufgebaut wird. Ich meine, lediglich Sie und Commander Tlosar sind mit dem Leben davongekommen.“

„Mit Verlaub, Sir“, Aryts violette Augen blitzen, was Luke einen Schauer über den Rücken laufen ließ, „Aber die Staffel Rot wurde auch wieder neu bestückt, jetzt sogar schon zu zweiten Mal. Und außerdem – haben Sie sich jemals gefragt, warum Derek Klivian sich beworben hat?“

Luke schürzte die Lippen. Eigentlich musste er diese Frage verneinen. Er war bisher stets davon ausgegangen, dass sich die Kandidaten freiwillig gemeldet hatten – wie es schien, war er da etwas zu stolz auf sein Projekt gewesen. Sein Projekt – Luke schloss einen Moment lang versonnen die Augen. Eine Sonderstaffel, in der er nur die Besten der Besten akzeptierte. „Was hat Hobbie damit zu tun? Er flog nur mit den Ecliptic Evaders, als wir anderen den Todesstern zerstörten. Danach war er im Waffenhandel für die Allianz involviert, wenn ich mich nicht irre.“

„Ihre Informationen sind nur teilweise korrekt. Klivian beschloss kurz nach der Zerstörung des Todessternes zu gehen, nachdem Biggs Darklighter abgeschossen worden war, das ist richtig. Tlosar hatte von Beginn an etwas gegen uns. Um offen zu sein, Sir, er ist ein Speichellecker, ein Opportunist. Er konnte es gar nicht erwarten, dass Commander Crynid – der Bruder von Arvel Crynid – einen Fehler machte und von der 181sten TIE-Einheit abgeschossen wurde, damit er das Kommando erhält.“

Luke starrte sie fasziniert an. „Glauben Sie etwa, dass er beim Abschuss des Commanders die Finger im Spiel hatte?“

„Ich glaube es nicht, ich weiß es. Tlosar war bei der Schlacht bei Derra IV Crynids Flügelmann.“

Luke holte tief Atem. „Und jetzt behaupten Sie, er hätte seinen Commander nicht richtig beschützt.“

„Er wies nach, dass sein Ruder beschädigt war und wurde von allen Verdachtsmomenten freigesprochen. Ich waren die Einzige, die gesehen hat, dass er den schädigenden Treffer erst in dem Moment erhielt, als Crynid bereits Sternenstaub war. Und nachdem wir unsere Führung verloren hatten, hatte das Imperium leichtes Spiel mit uns.“

„Moment mal“, Luke hob abwehrend die Hand. „Warum haben Sie nichts gesagt?“

Aryt ließ zu, dass ein bitteres Lächeln über ihre Lippen huschte. „Wem glaubt man wohl mehr – einem Lieutenant, der von Anfang an dabei war und sich mehr als einmal verdient gemacht hat, oder einer imperialen Überläuferin?“

Luke schwieg. Sie hatte recht. Er hatte vergessen gehabt, dass auch die Evaders neu bestückt worden waren, nachdem ein Teil der ursprünglichen Besetzung – allesamt von der Rand Ecliptic – in einem Scharmützel, das parallel zur Schlacht um den Todesstern stattgefunden hatte, getötet worden war. „Und deshalb haben Sie jetzt beschlossen, ihn als eine Art Racheengel bis ans Ende seines Lebens zu verfolgen?“

Sie dachte lange nach, ehe sie antwortete. „Das ist nicht die richtige Bezeichnung, Sir“, erklärte sie dann zögernd.

Luke hob die Augenbrauen. „Und wie lautet die richtige Bezeichnung? Kommen Sie, Aryt ...“

Bevor er fortfahren konnte, ballten sich ihre Hände wieder zu Fäusten. „Sir, Tlosar ist als Staffelführer ein Versager. Und ich will nicht, dass er die Erinnerung an die ursprünglichen Evaders durch den Schmutz ziehen kann, nur weil er uns nicht für vertrauenswürdig hält. Ich kann es nicht erklären, Sir...“ Sie zuckte mit den Achseln.

Also geht ihr der Tod der anderen doch etwas näher, als sie uns alle glauben machen will. Luke konnte nicht umhin, eine leise Befriedigung zu empfinden, dass er schließlich doch noch einen menschlichen Zug an Aryt gefunden hatte. „Soll ich mit General Rieekan sprechen? Ich bin sicher, dass er mir zuhören wird ...“

Sie schüttelte den Kopf. „Rieekan wird keinen potentiellen Piloten außer Dienst setzen, nicht zu dieser unsicheren Zeit. Er hat es bei der Untersuchung nach Derra angedeutet, und er würde es auch jetzt nicht tun.“

„Nun gut“, hakte Luke die Sache ab. Wenn ihr soviel daran lag, sollte sie ihren Willen bekommen. Er konnte keine Leute gebrauchen, die mit dem Herzen nicht bei seiner Sache waren. „Wie hat Tlosar es geschafft, Sie aus seiner Staffel zu befördern?“ fragte er.

„Er behauptete, ich wäre genau die Richtige für Ihr Projekt und würde mir nicht im Weg stehen wollen. Er hat sogar meine Bewertungen etwas frisiert.“ Sie lächelte schief bei dem Gedanken daran, und Luke erkannte, dass sie im Grunde eine recht attraktive Frau war, wenn sie es zeigen wollte. Schade nur, dass sie es so selten tut. „Wobei ihm natürlich zugute kam, dass ich mit Biggs Darklighter geflogen bin und die Corellianischen Blutstreifen trage.“ Bei anderen hätte sich das wie ein Eigenlob angehört, doch Aryt sprach von einer der höchsten Auszeichnungen, die ein Corellianer erhalten konnte, so beiläufig, als kommentiere sie das kalte Wetter auf Hoth.

„Nun“, Luke erhob sich, „In diesem Fall werde ich sehen, ob ich nicht ein gutes Wort für Sie beim General einlegen kann. Auch wenn ich es bedauere, Sie für meine Staffel zu verlieren.“

Sie entspannte sich leicht. „Danke, Sir. Ich weiß, dass Commander Tlosar zu nichts gezwungen werden kann, aber einem direkten Befehl kann auch er sich nicht widersetzen.“

(tbc)
Zuletzt geändert von Lunedd am 30. Nov 2010, 16:25, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
Lunedd
 
Beiträge: 8
Registriert: 11.2010
Geschlecht: weiblich

Re: [Aryt Samor Zyklus 1] A Job To Change A Life

Beitragvon Lunedd » 30. Nov 2010, 01:21

Hoth. Mannschaftsquartiere

Aryt packte methodisch ihr spärliches Gepäck zusammen. Dack Ralter, ein weiterer Kandidat für die neue Staffel, saß auf ihrem Bett und sah ihr dabei zu. Sie räumte die Schublade des Spindes aus und legte die Dinge auf das Kopfkissen.

Dack griff nach einem Holokristall. Er aktivierte ihn, und drei Personen materialisierten. Es waren drei Jugendliche, zwei Jungen und ein Mädchen. Dack kniff die Augen zusammen. Das Mädchen, das in der Mitte stand und den Betrachter fröhlich anlachte, hatte dieselben violetten Augen wie Aryt. „Sind das deine Freunde?“ fragte Dack.

Aryt sah nicht auf, packte weiter. „Meine Brüder.“

Dack betrachtete das Bild genauer. Ja, eine gewisse Ähnlichkeit ließ sich nicht leugnen. „Wo sind sie? Ich meine, sind sie auch bei der Allianz?“

Aryt nahm ihm den Kristall aus den Händen, deaktivierte ihn und verstaute ihn in der Tasche. „Erstens: keine Ahnung. Und zweitens: keine Ahnung.“

Dack kreuzte unschlüssig die Arme vor der Brust. „Wie, du hast keine Ahnung? Das sind deine Brüder!“

Aryt richtete sich jetzt auf und sah Dack an. Ihr Blick war ausdruckslos. „Der eine ist tot, und der Kontakt zum anderen ist abgebrochen“, sagte sie schroff.

„Oh.“ Dack beschloss zu schweigen, ehe er in weitere Fettnäpfchen hinein trat. Aryt schloss die Tasche und schulterte sie. Dann drehte sie sich um und verließ ohne ein weiteres Wort den Schlafraum.

Dack blickte ihr verblüfft hinterher. „Also, aus der werde ich nie schlau!“ seufzte er, an niemand bestimmten gerichtet. Hobbie, der in der Nähe auf seinem Bett lag und las, sah auf. „Sie hat dich ganz schön abblitzen lassen, was?“ Er grinste. Dack stand auf und schlenderte zu Hobbie hinüber. „Du bist doch schon mit ihr geflogen, nicht wahr? Was stimmt nicht mit ihr? War sie dem Vakuum einmal zu lange ausgesetzt oder hat ihr nur niemand erklärt, was das Wort Höflichkeit bedeutet? Oder was Small Talk ist?“

Hobbie setzte sich auf. „Bloß weil du sie nicht verstehst und sie nicht auf deinen Charme hereingefallen ist, ist sie noch lange kein schlechter Mensch, verstanden? Du kennst ihre Geschichte nicht, also urteile nicht über sie.“

Dack seufzte wieder. „Aber du, du weißt natürlich alles über sie und verstehst sie vollkommen.“

Hobbie legte sich wieder hin und schlug sein Buch auf. „Nein. Und nein.“

Dack blickte Hobbie verwirrt an, und der andere warf das Buch beiseite. „Okay, ich will es dir erklären. Hör jetzt gut zu, Unterrichtsstunden von Derek Klivian gibt’s nämlich immer nur einmal: Aryt hat eine Geschichte wie jeder von uns. Einen dunklen Fleck in der Vergangenheit. Sonst säßen wir brav und zufrieden Zuhause und würden dem Imperator zujubeln. Wer weiß, vielleicht ist ihre Geschichte schlimmer, vielleicht ist sie harmloser als das, was du oder ich oder wir beide zusammengenommen erlebt haben. Auf jeden Fall hat die Vergangenheit sie gelehrt, dass sie Small Talk nicht zum Überleben braucht, und das haben wir zu akzeptieren, solange sie keinen von uns angreift oder verrät. Wir haben kein Recht, sie zu etwas zu zwingen, das sie nicht will. Kapiert?“

Dack nickte langsam. „Kapiert.“ Er erhob sich und verließ den Schlafraum. Hobbie blickte ihm kopfschüttelnd nach. Er wusste genau, dass Dack nicht verstanden hatte. Nach einem Moment zuckte er die Schultern und nahm das Buch wieder auf.


***


Hoth. Besprechungsraum


Ziemlich genau eine Woche, nachdem Skywalker Aryt zu sich zitiert hatte, stand sie wieder vor ihm im Besprechungsraum. Ihr linker Arm hing in einer Schlinge, und als Luke jetzt den Kopf hob und sie betrachtete, sah er die vielen kleinen Schrammen und Abschürfungen in ihrem Gesicht. Sie streckte ihm einen Datenblock entgegen. „Was ist das?“, fragte er ruhig.

„Meine Bewerbung für Ihre Staffel.“ Ihre Stimme klang müde.

„Setzen Sie sich.“ Luke nahm das Padd und flog darüber, ohne wirklich zu lesen. Samor ließ sich ihm gegenüber nieder. Ihre sonst so aufrechte Haltung sank etwas in sich zusammen, und Luke wusste nun, dass sie den letzten Kampf nicht so gut überstanden hatte, wie sie der Umwelt zeigen wollte. „Wie geht es Ihnen?“, fragte er dann.

„In ein paar Tagen bin ich wieder voll einsatzfähig, Sir.“ Sie schielte auf die Armschlinge hinunter. „Dies hier ist eigentlich überflüssig.“

Luke schüttelte den Kopf. „Ich meinte nicht das.“ Er wies auf den Arm und die Blessuren im Gesicht. „Ich meinte hier.“ Er tippte mit dem Finger leicht gegen eine Schläfe.

Aryt richtete sich etwas auf, und ihre Wachsamkeit stand schlagartig wie ein Schutzschild zwischen ihnen. „Wenn Sie darauf anspielen, dass ich vielleicht Depressionen oder Schuldgefühle haben sollte, nun, da muss ich Sie enttäuschen, Sir.“

Luke sah sie so intensiv an, dass sie schließlich die Augen senkte. „Sie wollen mir also allen Ernstes erzählen, dass Ihnen auch die neuerliche Zerstörung Ihrer Staffel nicht das Geringste ausmacht?“ Vor einigen Tagen erst war die Nachricht gekommen, dass das Imperium einen wichtigen Nachschubtransporter der Allianz gekapert und die Staffel, die zu dessen Schutz abgestellt gewesen war, vernichtet hatte. Die Staffel war eine Y-Flügler-Einheit gewesen – die Derra Evaders. Luke ließ zu, dass sich sein Jedi-Sinn ausstreckte und ihre Gedanken flüchtig berührte. Da war nichts. Nichts. Keine Trauer, keine Wut, aber auch keine Genugtuung über Tlosars Tod. Nur das Wissen, dass sie ebendiese Gefühle haben sollte. Und Resignation.

„Sie sind die einzige Überlebende der Evaders, nicht wahr?“

Sie nickte.

Luke kniff lauernd die Augen zusammen und beobachtete sie. „Geben Sie Tlosar auch dieses Mal die Schuld?“

Sie schüttelte heftig den Kopf. „Nein, Sir. Er hat sich um seinen Flügelmann gekümmert. Und wurde dabei abgeschossen.“

„Waren Sie sein Flügelmann?“ Lukes Gedanken rasten. War sie nicht mehr als eine kaltblütige Mörderin?

Aryt erwiderte Lukes Blick offen. „Wenn Sie andeuten, dass ich ihn getötet habe ... Ich war nicht sein Flügelmann. Ich denke, er hat zuletzt vielleicht doch begriffen, dass man Verantwortung nicht immer auf andere abwälzen kann.“

Etwas in ihren Gedanken, die Art, wie sie an Tlosar dachte, überzeugte Luke. Da war kein Hass auf den Mann in ihr, keine Wut. „Nun gut.“ Er seufzte. „Wie Sie vielleicht erfahren haben, hat auch die Rogue Squadron bereits das erste Opfer zu beklagen, obwohl wir noch nicht einmal in Dienst gestellt waren. Ehrlich gesagt, hatte ich sowieso vor, Sie aufzunehmen, aber dann zogen Sie Ihre Bewerbung zurück. Aber damit eines klar ist: in ein paar Stunden findet die Abdankungsfeier für die Derra Evaders statt, und Sie werden dort erscheinen.“

„Natürlich, Sir.“ Er sah rasch auf, doch sie begegnete seiner Musterung bloß mit jenem aufrichtigen Blick, der so entwaffnend wirkte.

„Tja dann ... Holen Sie Ihr Gepäck und richten Sie sich wieder bei uns ein. Sie kennen ja den Weg. Ach, und noch etwas“, Luke erhob sich und streckte ihr die Hand entgegen. „Ich finde, da du jetzt offiziell zu uns gehörst, sollten wir uns duzen. Ich bin Luke.“

Sie starrte seine Hand einen Moment lang an, als begreife sie nicht ganz, was sie damit tun sollte. Dann ergriff sie sie langsam, vorsichtig, als habe sie Angst, dass sie sich in Luft auflösen könne, und drückte sie leicht. „Aryt“, erwiderte sie und ließ eines ihrer seltenen Lächeln aufblitzen.

Luke spürte, dass sie verwirrt war. Verwirrter als jemals zuvor. Man könnte fast annehmen, dass sie gar nicht erwartet, dass jemand nett zu ihr sein könnte.

Er ließ ihre Hand los und nickte ihr zu. Sie erhob sich und ging. Sinnierend sah er ihr nach. Irgendwie habe ich ein merkwürdiges Gefühl bei ihr.


***


Einen Monat später. In der Nähe des Corellianischen Systems

Captain Wedge Antilles, während der Abwesenheit von Luke Skywalker (der sich auf einer geheimen Mission auf Corellia befand) zum Kommandanten der Rogue Squadron ernannt, schritt langsam die Reihe seiner Untergebenen ab. „Ich schätze, wir haben unseren ersten richtigen Auftrag vor uns – in dieser Zusammensetzung“, fügte er hastig hinzu, als Wes Janson übertrieben die Stirn zu runzeln begann. Wes‘ Stirn glättete sich wieder. „Wie ihr ja alle wisst, wurde Han Solo von Darth Vader gefangengenommen und in Karbonit eingefroren. Bobba Fett hat ihn mitgenommen, um ihn an Jabba den Hutten auszuliefern. Mehrere Einsatzteams wurden losgeschickt, um nach Informationen für eine Befreiung Solos zu suchen. Und wir sind sozusagen das Ablenkungsmanöver für eines dieser Kommandos, damit dieses ungestört an seinen Zielort gelangen kann.“

„Darf man erfahren, wo genau dieses Ziel ist?“ Hobbie hob die Augenbrauen.

Wedge zögerte. „Kann ich euch jetzt noch nicht sagen. Ehrlich gesagt, weiß ich es selbst nicht. General Rieekan bestätigte mir aber, dass wir es kurz vor dem Abflug erfahren werden.“

„Na klar. Damit wir nicht vorher aussteigen können“, sagte ein kleiner Mann, dessen rote Haare in alle Richtungen abstanden und sich mit dem grellorangen Pilotenoverall bissen.

Wedge überhörte das geflissentlich. Er konnte überhaupt froh sein, eine ganze Staffel zur Verfügung zu haben, da kam es nicht sonderlich darauf an, ob alle Piloten militärische Disziplin hatten. Die Schlacht von Hoth hatte viele Opfer gefordert, zuallererst natürlich unter den Infanteristen, deren Zahl beträchtlich zusammengeschmolzen war. Aber auch die Piloten hatten herbe Verluste erlitten, zum einen durch den Angriff der AT-ATs und zum anderen während der Flucht vor den Sternzerstörern, denen sie ein leichtes Ziel gewesen waren. „Na, dann macht euch fertig. In zwei Stunden sind alle in der Luft, verstanden?“

Die Piloten begannen sich zu zerstreuen, ein paar in Grüppchen, wenige alleine. Aryt wandte sich abrupt von ihren Staffelkollegen ab und marschierte zu ihrem X-Flügler. Sie warf dem Techniker, der eben auf den Jäger zuschritt, einen finsteren Blick zu, der ihn anhalten ließ. „Ich ... ich wurde eingeteilt, Ihren X-Flügler zu warten“, verteidigte er sich stotternd, obwohl sie gar nichts gesagt hatte. Aryt wischte seine Bemerkung mit einer unwirschen Bewegung beiseite und nahm ihm den Werkzeugkoffer aus der Hand. „Darum kümmere ich mich selbst.“

Sie war gerade dabei, den Schließmechanismus des Cockpits zu überprüfen und einzustellen, als Ben Auriga, Wedges Stellvertreter, zu ihr trat. „He, Aryt!“ Sie fuhr herum, einen Schraubenschlüssel, so lang wie ihr Unterarm, kampfbereit in der Hand erhoben. Sie entspannte sich und ließ das Werkzeug sinken, als sie Auriga erkannte.

„Schleiche dich nicht an!“, schnappte sie, wobei ihr Blick wachsam blieb.

Der Dunkelhäutige hob abwehrend die Hände und lachte sie besänftigend an. „Immer mit der Ruhe, Aryt! Wenn du derart eifrig auch auf die Imperialen losgehst, schaffst du es schnell zum General.“ Er wurde ernst. „Spaß beiseite. Unser Ziel steht fest: wir fliegen nach Corellia.“

Aryt erstarrte. „Corellia?“ Ihre Stimme klang seltsam, und sie räusperte sich hastig. Ben runzelte die Stirn. „Willst du aussteigen?“ fragte er dann.

Sie schüttelte heftig den Kopf. „Nein. Ich war nur lange nicht auf Corellia.“

Er nickte verstehend. Sie alle waren lange nicht Zuhause gewesen; er selbst, gebürtiger Raltiirianer, wusste nicht einmal, ob überhaupt noch das Dorf stand, in dem er aufgewachsen war. Sein Heimatplanet litt mehr und mehr unter dem Regime des Imperiums.

Wedge schloss zu ihnen auf. Sein Gesicht trug einen aufgewühlten Ausdruck. Ben runzelte die Stirn. „Was ist los?“

Wedge zögerte, schoss Aryt einen Blick zu und schob seine Bedenken dann anscheinend beiseite. „Ach, was soll’s. Du erfährst es sowieso früher oder später.“ Er fuhr fort, an Ben gewandt: „Das Team, zu dessen Schutz wir abkommandiert waren, wurde kurz vor der Ankunft an unserem Treffpunkt von einem Sternzerstörer abgefangen und komplett aufgerieben.“

Ben sog scharf die Luft ein und erblasste. „Oh nein!“

Wedges Ausdruck wurde grimmig. „Das Imperium gewinnt langsam aber sicher an Oberhand. Das ist gar nicht gut. Und den neuesten Nachrichten nach war Jabba sehr erfreut, seinen früheren Schmuggler Solo wiederbekommen zu haben. Kurz und gut, die Rogues werden den Einsatz des Teams übernehmen und selbst auf Corellia nach Informationen suchen, da Rieekan niemand anderen entbehren kann. Prinzessin Leia ist dabei, die Schwarze Sonne zu infiltrieren, und Rieekan selbst ist damit beschäftigt, dass Imperium in kleinere Scharmützel zu verwickeln. Da bleiben nun einmal nur wir übrig.“

(tbc)
Benutzeravatar
Lunedd
 
Beiträge: 8
Registriert: 11.2010
Geschlecht: weiblich

Re: [Aryt Samor Zyklus 1] A Job To Change A Life

Beitragvon Lunedd » 30. Nov 2010, 21:20

Harlusa, Corellia. Einige Tage später

„Wedge? Ich würde gerne meine Familie besuchen, da wir schon in der Nähe sind.“

Ben, Luke, der vor einigen Stunden zu ihnen gestoßen war, und Wedge, die sich über einen Stadtplan von Harlusa gebeugt hatten, sahen gleichzeitig auf. Aryt stand vor ihnen und blickte sie abwartend an. Wedge schüttelte den Kopf. „Geht nicht“, meinte er geistesabwesend. „Hier“, er deutete auf einen Flecken der Karte, der als Downtown-Viertel bezeichnet wurde, „Hier könnten wir drei oder vier weitere Rogues unterbringen. Vielleicht sogar fünf“, wandte er sich an Ben, schien Aryt bereits vergessen zu haben.

Sie rührte sich jedoch nicht, ging nicht. „Weshalb nicht?“ fragte sie. Sie musste dorthin, und wenn es bedeutete, dass sie sagen musste, was sie sich geschworen hatte, niemals mehr auszusprechen, dann würde sie es tun. Vielleicht war es ihre letzte Gelegenheit.

Wedge blickte erstaunt hoch. „Weshalb? Nun, ganz einfach: weiß deine Familie, dass du bei der Allianz bist?“

Aryt zögerte, überlegte. Schließlich nickte sie. „Ja.“

Wedge zuckte mit den Schultern. „Dann wissen es auch die Nachbarn“, fuhr er fort und erstickte ihren Einwand im Keim, indem er die Hand hob. „Nein, Aryt. So etwas lässt sich nicht geheim halten, glaub mir. Das Risiko, dass deine Familie vom Imperium überwacht wird, ist zu groß. Tut mir leid.“ Er beugte sich wieder über die Karte.

„Ich habe euch nicht die ganze Wahrheit über mich gesagt.“ Aryt war nicht bereit, aufzugeben. Nicht so kurz vor dem Ziel.

Lukes, Bens und Wedges Köpfe schossen hoch. „Was meinst du?“ Wedge trat misstrauisch einen Schritt zurück, wobei seine Rechte an den Griff seines Blasters fuhr.

„Mein vollständiger Name lautet Aryt Sal-Samor.“ Aryt holte tief Atem. Jetzt war es draußen und sie musste die Konsequenzen tragen.

„Sal-Samor? Wie die Sal-Solos?“ Wedge kreuzte die Arme vor der Brust und runzelte interessiert die Stirn. Sie nickte stumm.

Luke blickte verwirrt von einem zur anderen. „Habe ich etwas verpasst?“

Wedge schüttelte den Kopf, wobei er die Augen nicht von Aryt löste. „Nein. Aber die Sal-Solos sind eine der einflussreichsten und mächtigsten Familien auf Corellia.“

„Und sie haben Kontakte zur Unterwelt, genau wie ihre Verwandten, die Sal-Samors“, fügte Aryt hinzu. Insgeheim atmete sie auf. Antilles nahm die ganze Sache gelassener auf, als sie gedacht hatte.

„Aber“, Ben schien noch immer nicht vollständig zu verstehen, „Heißt es nicht von den regierenden Familien Corellias, dass sie auch mit dem Imperium Geschäfte machen, damit ihm das corellianische System nicht in die Hände fällt und die Familien ihren Einfluss verlieren?“ Er wies auf Aryt. „Vielleicht ist sie ja nur hier, um uns zu sagen, dass gerade jetzt draußen eine Einheit Sturmtruppler darauf wartete, dass wir brav die Hände heben und herauskommen?!“ Er zog seinen Blaster, doch Wedge drückte die Waffe nach unten.

„Lass den Unsinn. Nein. Ich glaube Aryt.“ Er kniff die Augen zusammen, musterte sie, dachte an eine andere Zeit, eine andere Frau, die ebenso vor ihm gestanden und behauptet hatte, dass sie gegen das Imperium kämpfte. Damals hatte sich alles als eine Lüge herausgestellt. Aber im Gegensatz zu Jessica Shadowbearer hatte Aryt bisher immer die Wahrheit gesagt, ohne Rücksicht auf mögliche negative Auswirkungen für ihre Person zu nehmen. „Und jetzt willst du dich bei deiner Familie melden und ein bisschen in ihren Akten wühlen“, fuhr er fort.

Aryt nickte. „Ja, das trifft es ungefähr.“

Wedge überlegte. „Du wirst nicht alleine gehen, für den Fall, dass deine Familie irgendwie Wind von unserer Anwesenheit bekommen und beschlossen hat, dich den Imperialen zu übergeben. Wes und Hobbie werden dich zur Unterstützung begleiten.“ Wes ist ein guter Schütze und Hobbie kann einen Hinterhalt zehn Klicks gegen den Wind riechen. Er lächelte schief. „Nimm meine Vorsicht nicht als Beleidigung.“

Ihr Gesicht verzog sich nicht. „Bestimmt nicht. Ich kenne meine Familie und weiß, dass ich ihr nicht trauen kann. Aber ich brauche keine Kindermädchen.“

Wedge fixierte sie einen Moment. Er hatte schon länger bemerkt, dass sie gerade mit Hobbie, der zu Beginn ihre Freundschaft gesucht hatte, nicht besonders gut auskam – meistens ging sie ihm aus dem Weg. Die Feindseligkeit kam eindeutig von ihr. Vielleicht ist auf der Rand Ecliptic etwas vorgefallen, was sie so reagieren lässt. Er zuckte insgeheim die Schultern. „Nein. Du nimmst Wes und Hobbie mit – oder du gehst nicht.“

Sie drehte sich um und wollte gehen, blieb im Türrahmen aber noch einmal stehen. „Danke trotzdem.“

Wedge hob die Augenbrauen, als sie verschwand. Diese letzten Worte haben sie mehr gekostet als alles andere vorher. Ich frage mich bloß, was ihr zugestoßen ist.

***


Harlusa, Corellia. Vor dem Haus der Sal-Samors

Wes kroch zurück zu der Stelle, an der Aryt und Hobbie auf ihn warteten. Er nieste ausgiebig und rieb die Hände. Sein Atem kam als kleine Wölkchen aus seinem Mund. Er schauderte zusammen. „Immer, wenn ich auf Corellia bin, ist es kalt. Habt ihr eigentlich auch mal so etwas wie Sommer?“

Aryt grinste ihn freudlos an, wobei sie an ihm vorbeispähte. „Ist die Luft rein?“

Er nickte. „Ja. Niemand zu sehen.“

Sie überlegte einen Moment. „Klivian, du bleibst hier unten und passt auf. Janson und ich werden hineingehen.“

Hobbie hob zweifelnd die Augenbrauen. „Ich bin mir immer noch sicher, dass hier etwas schief gehen wird. Ich spüre es einfach.“

Wes klopfte dem Freund auf den Rücken, was dieser mit einem unfreundlichen Blick quittierte. „Das ist bloß die Kälte.“ Er folgte Aryt, die bereits losgeschlichen war, zu dem großen, mehrstöckigen Haus auf der anderen Straßenseite. Nein, Villa würde es eher treffen, korrigierte er sich in Gedanken, als er direkt davor stand. Aryt winkte ihm zu. Sie war einen Baum hinaufgeklettert, der neben dem Haus wuchs, und klammerte sich an den Ästen fest, als jetzt ein heftiger Wind durch die Zweige fuhr. „Habe ich dir jemals gesagt, dass ich nicht schwindelfrei bin?“ flüsterte er, als er den untersten Ast packte.

Ihr Lachen geisterte gesichtslos zu ihm hinunter, klang mehr wie ein Schnauben. „Und dann bist du Pilot?!“

Er zuckte mit den Achseln, erinnerte sich daran, dass sie es in der Dunkelheit nicht sehen konnte und wäre bei der Bewegung beinahe von seinem Ast gefallen. „Das ist etwas anderes.“ Wes klammerte sich an einen Zweig über ihm, der bedrohlich unter seinem Gewicht knackte. Ein weiterer Windstoß fuhr in den Baum und schüttelte ihn. Wes stieß einen leisen Schrei aus, als der Zweig unter seinem Griff nachgab und er einen irrsinnigen Moment lang in der Luft schwebte.

Dann packte ihn eine eiserne Hand, und Aryt zischte zwischen zusammengepressten Zähnen hervor: „Wenn du jetzt runterfällst, dann löst du den Alarm aus! Hier, greif nach vorne und etwas nach links, dort findest du Halt.“ Er tastete vorsichtig mit den Fingerspitzen. „Und beeile dich! Ich kann dich nicht mehr lange halten!“ Seine Hände streiften etwas Festes, Nasses, und hastig griff er zu. Aryt ließ mit einem erleichterten Seufzen seinen Kragen los. „Na endlich.“

„Du hast gar nichts von einem derartigen Alarm erwähnt“, murrte Wes, während er sich langsam hinter ihr her höher und höher zog. Aryt, bereits etliche Meter über ihm – seltsamerweise schienen sich die Äste unter ihr zurechtzubiegen, so dass sie bloß die Füße und Hände auf sie platzieren musste (vielleicht bildete Wes sich das auch nur ein. Auf jeden Fall beschloss er, Hobbie später deshalb auszufragen) – lachte wieder leise.

„Was die Öffentlichkeit nicht weiß, macht sie nicht heiß“, zitierte sie ein altes corellianisches Sprichwort. „Außerdem fiel es mir erst in diesem Augenblick wieder ein. Tut mir leid. Aber Kiell, Gavin und ich haben diesen Alarm immer spielend umgangen. Ich dachte, du kommst von Taanab. Dort gibt es doch viele Bäume, nicht wahr?“

Wes nickte und fügte dann hinzu, da sie seine Geste ja nicht sehen konnte: „Ja. Aber das bedeutet ja nicht, dass jeder Taanabianer deshalb ein Eichhörnchen wäre.“

„Auch wahr. So. Da wären wir.“ Wes blickte nach oben, verdrehte den Kopf, um Aryt im schwachen Licht der entfernten Straßenlampen sehen zu können. Sie war etwa einen Meter über ihm und balancierte auf einem schmalen Ast. Sie hatte sich auf die Füße erhoben, die Arme zur Seite ausgebreitet und schob sich Stück für Stück vorwärts. Der Ast, auf dem sie stand, winkelte sich vom Baum ab und reichte bis an eines der Fenster im zweiten Stock des Hauses heran. Die Spitze des Astes war geschnitten und deutete darauf hin, dass der Baum vor dem Haus an diesem Ort gestanden hatte.

„Das ist nicht dein Ernst“, atmete Wes laut aus, als Aryt vorwärtsbalancierte und schließlich auf das Fensterbrett wechselte. „Das schaffe ich niemals!“ Wie um seine Worte zu unterstreichen, krampften sich seine Hände um den Ast, an dem er sich festhielt. Aryts weiße Zähne blitzten in der Dunkelheit auf, als sie lachte.

„Keine Angst. Wir haben schon früh entdeckt, dass nicht jeder so gelenkig ist wie wir. Unsere ... Freunde ... bekamen immer ein bisschen Hilfe.“ Sie machte sich am Fenster zu schaffen und es sprang mit leisem Quietschen auf. Sie verschwand im Innern. Wes wartete unruhig. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, und er war schon drauf und dran, der Schwerkraft zu trotzen, die heftig an seinem Körper zog und Aryt zu folgen, als sich plötzlich eine lange Stange aus dem Fenster schob. Das Ende war nach unten gebogen, und Wes verstand, was er tun musste, als sich das Ende auf ihn zubewegte. Er griff danach und hakte es an einen Ast in der Nähe. Aryts Kopf erschien im Fenster. „Du bist ein ganz helles Kerlchen!“ lobte sie. „Das ist genau der richtige Ast. Und jetzt haben Sie sogar ein Geländer zum Festhalten, Mr. Janson!“

Innerhalb von einer Minute war er bei Aryt angelangt und sprang erleichtert vom Fensterbrett ins Innere des Hauses. „Würde es dir etwas ausmachen, beim Verlassen dieses ehrenwerten Hauses einen ganz gewöhnlichen Ausgang wie zum Beispiel eine Türe zu nehmen?“

Sie grinste. „Warum nicht? Nur, ob es meinen Eltern auch gefällt, ist eine andere Frage.“

„Du ahnst gar nicht, wie recht du hast.“ Eine neue, weibliche Stimme, mischte sich ein und ließ sowohl Wes als auch Aryt zusammenfahren. Grelles Licht blitzte plötzlich auf und erhellte den Raum. Wes blinzelte und zwang sich, die Hand vom Griff seines Blasters zu nehmen, die automatisch dorthin gefahren war.

Aryts Gesicht hatte einen spöttischen Ausdruck angenommen. „Janson, darf ich vorstellen? Enna Sal-Samor, meine Mutter.“ Die Frau, derart vorgestellt, kümmerte sich nicht um den Begleiter ihrer Tochter. Statt dessen rauschte sie auf Aryt zu und hob die Hand. Es gab ein lautes, klatschendes Geräusch, als die Hand Aryts Wange traf. Aryt, selbst überrumpelt von dieser Reaktion, sprang zurück und hob ihrerseits die Fäuste, abwehrbereit. „Tu das nie wieder! Ich bin kein Kind mehr!“ zischte sie. Ihre Wange färbte sich rot, und Wes konnte darauf den Handabdruck und die fünf Finger erkennen, die sich langsam abbildeten.

Enna Sal-Samor ließ sich von den Worten ihrer Tochter nicht im geringsten beeindrucken, obwohl diese fast zwei Köpfe größer war als sie. „Wie kannst du es wagen, hier zu erscheinen, nach allem, was du angerichtet hast!“ Ihre Stimme war leise, aber die Drohung in ihr war beinahe greifbar.

Aryt legte unbewusst eine Hand an die brennende Wange. „Was ich angerichtet habe?“

Ihre Mutter reagierte nicht darauf, sprach stattdessen weiter. „Eigentlich habe ich von dir mehr Verstand erwartet. Aber das – niemals. Ich schäme mich, jemand wie dich großgezogen zu haben, ohne Pflichtgefühl für Familie und Ehre! Reicht es denn nicht, dass ich einen Sohn verloren habe?! Kiell hat seine Schuldigkeit getan – aber du? Du warst nicht in der Lage, seinen Platz auszufüllen. Das warst du noch nie.“

Aryt starrte sie steif an, ärgerlicher werdend. „Würdest du mir bitte aus dem Weg gehen? Ich möchte mit Vater sprechen!“

Enna verzog geringschätzig die Mundwinkel nach unten. „Dein Vater ist tot.“

Aryt, gerade noch im Begriff, sich an der älteren Frau einfach vorbeizuschieben, wich zurück, als hätte die andere sie wieder geschlagen. „Tot?“ Ihre Stimme glich einem Flüstern.

„Ja.“ Enna Sal-Samor schien es zu genießen, der Tochter weh zu tun. „Er starb einige Wochen, nachdem du Schande über ihn und unsere Familie gebracht, vom imperialen Dienst desertiert bist und dich den Rebellen angeschlossen hast.“ Triumphierend hob sie das Kinn, als Aryt jetzt in sich zusammenzusinken schien. „Tot“, murmelte sie wieder.

„Ja. Und er ist nicht der einzige, dessen Schicksal du in deine Hand genommen hast, als du für dein eigenes Wohl und deine Bequemlichkeit gehandelt hast.“ Enna trat näher. „Das Imperium gab sich nicht damit zufrieden, dich auf seine Schwarze Liste zu setzen, oh nein! Es forderte einen neuerlichen Beweis unserer Neutralität ...“

„Gavin“, murmelte Aryt und rieb sich die Schläfen.

„Ganz recht. Nachdem du geflohen, desertiert bist, haben sie Druck auf die Sal-Solos ausgeübt. Thrackan zwang uns, Gavin freizustellen. Durch deine Schuld hat die Familie Sal-Samor nun überhaupt keine Kinder mehr, die die Geschäfte übernehmen könnten.“ Ennas Augen blitzten vor Wut.

„Aber ... aber das konnte ich doch nicht wissen ...“ versuchte Aryt sich zu verteidigen. Sie stand jetzt mit dem Rücken zur Wand, direkt neben dem Fenster. Sie lehnte sich leicht dagegen, als sei sie nicht sicher, dass ihre Beine sie alleine tragen konnten.

„Du hättest es wissen müssen, und zwar in dem Augenblick, als gleichzeitig mit der Nachricht von Kiells Tod deine Einberufung kam. Du hättest es zumindest ahnen können!“ Wes fuhr herum, als ein junger Mann in das Zimmer trat; er war vielleicht drei, vier Jahre jünger als Aryt, gerade dabei, aus der Ungelenkigkeit eines Jugendlichen herauszuwachsen. Er trug die graue, steif wirkende Uniform eines imperialen Offiziersanwärters. „Hallo, Schwester.“ Sein Ton war sarkastisch, beißend. „Ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt wieder gehst. Ich habe CorSec verständigt, dass sich eine Persona non grata unbefugt Zutritt zu unserem Haus verschafft hat.“

Aryt starrte Gavin noch immer an, und Wes ergriff sie am Arm. „Komm, wir gehen besser“, meinte er und schob sie vorsichtig an Gavin und Enna vorbei. Gavin rief ihnen hinterher, als sie die Treppe hinunterliefen: „Die Treppe runter und dann links. Dort ist die Tür. Und bitte, Aryt: komm nicht wieder zurück. Du bist hier nicht erwünscht.“

(tbc)
Benutzeravatar
Lunedd
 
Beiträge: 8
Registriert: 11.2010
Geschlecht: weiblich

Re: [Aryt Samor Zyklus 1] A Job To Change A Life

Beitragvon Lunedd » 1. Dez 2010, 00:23

Eine namenlose Bar, Harlusa, Corellia. Einige Stunden später

Die Frau saß alleine am Tresen und starrte in ihr Glas. Gard konnte erkennen, dass es nicht ihr erstes war, denn neben ihren Ellbogen standen weitere Gläser, alle leer. Er betrachtete die Frau genauer. Sie besaß eigentlich nichts, was ihn sonst an einer Frau reizte – dafür war ihr Körper nicht üppig genug ausgestattet (um ehrlich zu sein, hatte Gard sie zuerst für einen Mann gehalten, bis sie sich einmal in Richtung des Barraumes umgedreht und er ihre feinen Gesichtszüge, ihren leichten Hüftschwung gesehen hatte). Aber etwas an ihr weckte sein Interesse. Vielleicht waren es ihre seltsamen, nicht ganz menschlich wirkenden violetten Augen. Vielleicht auch nur der entrückte, nachdenkliche Gesichtsausdruck.

Gard leerte sein eigenes Glas mit einem Zug und beschloss dann, genug Mut zu haben, um die Frau anzusprechen. Er schlenderte zu ihr hinüber, ließ sich auf dem Hocker neben ihr niedersinken und winkte dem Barkeeper mit seinem leeren Glas. Der Twi’lek huschte herbei und füllte das Glas. Gard räusperte sich und wandte sich der Frau zu. „Wissen Sie, viele Leute lachen über meine Nase. Aber soll ich Ihnen etwas verraten? Sie eignet sich ausgezeichnet dazu, die Stimmungen von anderen zu erspüren. Und bei Ihnen spüre ich, dass Sie Gesellschaft gerade in diesem Augenblick dringend nötig haben.“ Gard sah sie erwartungsvoll an, darauf spekulierend, dass sie auf die Pheromone reagierte, die er absonderte. Er fühlte, wie das Fell hinter seinen Ohren, wo die Drüse saß, nass wurde, und rasch zog er ein Tuch aus einer seiner zahlreichen Taschen.

Die Frau reagierte tatsächlich, doch ihr Gesicht – eigentlich recht hübsch, so aus der Nähe betrachtet – trug noch nicht den gewünschten Ausdruck. Gard biss leicht die Zähne zusammen und sonderte so erneut etwas Duftstoff ab. Wenn sie auch darauf nicht einging...

Ihre feingeschnittenen Nasenflügel bebten, als sie jetzt die geballte Ladung seiner Sendung witterte. Gard verhielt ein Lächeln. Sie wäre die erste humanoide Frau gewesen, die nicht darauf reagiert hätte. Manchmal taten es sogar die männlichen Exemplare ihrer Rasse, was Gard dann höchst unangenehm war.

Ihre Miene wurde weicher, die angestrengte Falte zwischen ihren Augenbrauen verschwand. Sie drehte sich jetzt mit dem ganzen Körper zu ihm um, und Gard stellte angenehm überrascht fest, dass sie doch besser gebaut war, als es zuerst den Anschein hatte. Insgeheim freute er sich schon auf eine ereignisreiche Nacht, und, wer konnte so etwas schon im Voraus sagen, vielleicht fand sie an den Künsten eines Elomin Gefallen ...

„Ich brauche keine Gesellschaft“, sagte sie schroff und wandte sich ab, doch Gard wusste, dass ihre abwehrende Haltung am Bröckeln war. Er lächelte jetzt und genoss den Augenblick. Er legte ihr eine Hand auf die Schulter und drehte sie langsam wieder zu sich herum. „Doch, ganz bestimmt brauchen Sie die“, widersprach er ihr sanft. „Niemand, dem etwas Derartiges zugestoßen ist, sollte alleine sein.“
Oh, das war nicht gut. Ihre Augen richteten sich auf ihn, plötzlich wieder argwöhnisch und misstrauisch geworden. „Was ist mir denn zugestoßen?“ fragte sie, und die Nüchternheit in ihrer Stimme ließ Gard instinktiv die Zähne aufeinanderbeißen, so dass neuerlicher Duftstoff abgesondert wurde.

„Sie werden es mir bestimmt noch erzählen. Ich spüre, dass Sie etwas sehr bedrückt. Erzählen Sie es mir. Danach werden Sie sich besser fühlen, glauben Sie mir.“ Seine Stimme klang seidig und glatt, und er registrierte zufrieden, wie sich ihre Augen wieder halb schlossen, als sie erneut seine Witterung aufnahm.

„Vielleicht haben Sie recht“, gab sie mit träumerischem Ton nach, und Gard fühlte etwas wie Enttäuschung in sich aufsteigen. Sollte es wirklich so einfach sein, diese Frau zu erobern, die eben noch kalt und hart wie Durastahl dagesessen hatte?

Sie beugte sich vor, wobei sie von ihrem Stuhl glitt, und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf. „Ich sollte Ihnen in der Tat erzählen, was mich bedrückt“, murmelte sie, ihr Gesicht dicht an seinem. Gard konnte ein siegessicheres Lächeln nicht unterdrücken. Nun, sie war vielleicht schneller umgefallen als er dachte, aber ihr Holo würde sich gut neben denen seiner anderen „Bekanntschaften“ machen. Er legte langsam seine Hände um sie herum und ließ sie einen Moment auf den Hüften ruhen, ehe sie weiter hinab glitten.

„Sie sollten etwas weniger... Parfüm... benutzen“, hauchte sie in sein Ohr. Im selben Augenblick bebten ihre Nasenflügel wieder, ihre Gesicht verhärtete sich, und ihr Knie schoss nach oben. Gard keuchte auf und krümmte sich, als ihm ein stechender Schmerz in den Unterleib fuhr. Die Frau schubste ihn von sich und sah voller Verachtung auf ihn herab. „Ich hasse Wesen, die sich am Leid anderer weiden und diesen Umstand für sich selbst ausnutzen“, sagte sie mit schneidender Stimme. Sie schob einen Finger unter Gards Kinn und hob seinen Kopf unsanft an. Tränen verschleierten seinen Blick, und das Fell hinter seinen Ohren war nun dunkel vor Nässe, doch sie reagierte nicht mehr auf den Duftstoff. „Suchen Sie sich ein anderes Opfer. Und noch etwas: ich mag es nicht, ungefragt berührt zu werden. Von niemandem.“ Sie ballte eine Hand zur Faust und hieb ihm damit auf die empfindliche Nase. Sein Kopf, auf der Höhe der Theke, knallte gegen das unnachgiebige Holz.

„Aber, aber, was soll denn das?“ Eine neue Stimme mischte sich ein, eine männliche, und Gard hob den Kopf, trotz der Schmerzen, die ihm jetzt auch noch durch die Schläfe schossen. Der Neuankömmling war ein Mensch, wie die Frau. Er hatte volles braunes Haar und fröhliche Züge, obwohl er jetzt entrüstet die Augenbrauen zusammengezogen hatte und den Kopf schüttelte. Gard war sich nicht sicher, ob er froh sein oder sich ärgern sollte, dass der andere aufgetaucht war, denn obwohl er gerade einen – herben – Rückschlag erlitten hatte, war er immer noch überzeugt davon, heute abend der Begleiter der Frau zu sein.

Ihre nächsten Worte jedoch machten seine Hoffnungen auf die „ereignisreiche Nacht“ zunichte. „Ist schon okay, Janson. Ich habe es nur nicht gerne, wenn mir jemand ungefragt zu nahe kommt.“

Sie kennt ihn also. Ist er vielleicht sogar ihr Partner? Schlecht. „Na, nachdem du so fleißig Freundschaft geschlossen hast, kannst du ja jetzt mit uns kommen. Der Boss will uns sehen.“ Gard blinzelte, als ein weiterer Mann neben die Frau und diesen „Janson“ trat. Sein Gesicht trug einen besorgten Ausdruck. „Oder brauchst du Hilfe?“

Die Frau legte jedem der Männer eine Hand auf den Arm. „Nicht nötig, Klivian. Sobald es einmal soweit ist, dass ich von euch beiden Hilfe brauche, werde ich mich auf einen verlassenen Planeten zurückziehen. Gehen wir.“

An der frischen Luft atmete Aryt erst einmal tief durch. „Wie habt ihr mich gefunden?“ fragte sie und löste abrupt die Hände von den Armen der beiden anderen.

Wes blinzelte verwirrt. Noch vor einer Sekunde war sie freundlich, anschmiegsam gewesen, und jetzt war sie kälter als die kälteste Nacht auf Hoth. Er beschloss, sich von ihr nicht einschüchtern zu lassen – diesmal nicht – und legte ihr den Arm um die Schultern. „Man hat so seine Be-“ begann er, führte den Satz jedoch nicht zu Ende, denn sie glitt geschickt darunter hindurch, packte Wes‘ Arm und hebelte ihn aus, sein eigenes Körpergewicht geschickt gegen ihn verwendend. Wes flog einen Moment durch die Luft, dann prallte er hart auf den Boden. Alle Luft wurde aus seinen Lungen gequetscht, während Aryt abwehrbereit die Hände hob, als Hobbie einen Schritt auf sie zutrat, um dem Freund zu helfen.

„Das war vorhin nicht einfach ein Spruch“, presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ich mag es nicht, angefasst zu werden.“ Sie zwinkerte und schüttelte den Kopf, als versuche sie, eine unangenehme Erinnerung loszuwerden. „Tut mir leid, Janson“, meinte sie und streckte ihm die Hand entgegen. „Das war ein Reflex. Ich wollte nicht ...“

Er wich vor ihrer Hand zurück und rappelte sich alleine auf. „Ist schon okay“, sagte er und klopfte seine Hose aus. „Kommt nicht wieder vor.“ Er setzte sich wieder in Bewegung. Hobbie warf einen misstrauischen Blick zwischen Aryt und Wes hin und her und folgte seinem Freund dann.

Aryt blieb noch einen Augenblick stehen. Sie ballte die Hände zu Fäusten und rannte, bis sie auf gleicher Höhe wie die beiden Männer war. „Wartet“, meinte sie und trat vor sie. „Wir müssen immer noch die Daten über Jabbas Kontakte in die Hände bekommen. Sonst lässt uns Wedge hier auf Corellia versauern“, fügte sie hinzu.

Wes‘ Gesicht blieb unbewegt, während er fragte: „Und wie sollen wir das bitte anstellen?“

Sie zuckte mit den Achseln. „Wir gehen zurück zum Haus meiner Mutter und holen sie uns.“

„Klar. Wir gehen hin und holen sie einfach. Vor allem, da deine Mutter ja das letzte Mal so freundlich war und uns zum Tee eingeladen hatte.“ Wes konnte einen gewissen ätzenden Unterton nicht unterdrücken. Aryt schien sich nicht daran zu stören. „Es gibt viele Wege, um in das Haus hineinzugelangen, von denen Mutter nichts weiß.“

Hobbie kreuzte zweifelnd die Arme vor der Brust. „Was ist mit deinem Bruder, Gavin? Deine Mutter weiß vielleicht von nichts, aber hast du nicht mal erzählt, dass ihr gut miteinander ausgekommen seid, du und dein Bruder?“

Aryt senkte den Kopf, und Wes bildete sich ein, etwas wie Traurigkeit über ihr Gesicht huschen zu sehen. Vielleicht war es auch bloß das Licht einer Straßenlaterne, denn als sie den Kopf wieder hob, waren ihre Züge ruhig und beherrscht – wie stets. „Mit Kiell kam ich gut aus – Gavin war meistens das fünfte Rad am Wagen. Oh, sicher, einige der Geheimgänge kennt er auch, man kann schließlich nicht alles geheim halten, aber Kiell und ich hatten unsere besonderen Wege für – Freunde – für die Gavin noch zu klein war.“ Hobbie hob eine Augenbraue, doch Aryt ging nicht darauf ein.

(tbc)
Benutzeravatar
Lunedd
 
Beiträge: 8
Registriert: 11.2010
Geschlecht: weiblich


Zurück zu "Star Wars"

 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron